Nina Öger
Gelassen in unruhigen Zeiten

Es klingt wie die Geschichte einer Schwimmerin, die das Wasser nicht mag: Nina Öger, Juniorchefin des Reiseveranstalters Öger Tours, verreist ungern und hat Flugangst. „Es ist nicht so, dass ich nicht gern an anderen Orten bin. Allerdings finde ich das Reisen als solches schrecklich“, sagt die lebhafte Frau, deren Hände beim Sprechen immer in Aktion sind.

HAMBURG. Regelmäßig muss sie ihre Angst überwinden, wenn sie von der Hamburger Firmenzentrale in die Türkei fliegt. Dort hat der Reiseveranstalter sein Hauptgeschäft. Die Türkei macht seit Monaten Schlagzeilen: Bombenanschlag in Ankara, Unruhen zur Präsidentschaftswahl und ein 17-jähriger Deutscher im Gefängnis, der behauptet, dass er unschuldig sei. Kommenden Sonntag stehen nun die Parlamentswahlen an. Ob es zwischen den Anhängern der gemäßigten islamischen Regierung von Recep Tayyip Erdogan und den säkularen Kemalisten, auf deren Seite das Militär steht, ruhig bleiben wird, ist ungewiss.

All das könnte Nina Öger schlaflose Nächte bereiten. Doch die 33-Jährige wirkt gelassen, geht davon aus, dass sich die schlechten Nachrichten dieses Jahr nicht wesentlich aufs Geschäft auswirken. Die Urlauber könnten inzwischen solche Meldungen besser einschätzen, urteilt sie und ergänzt: „Wir sind bisher sehr zufrieden mit unseren Zahlen.“ Für das laufende Geschäftsjahr, das bis Ende Oktober dauert, will sie ein Umsatzplus von 20 Prozent erzielen.

Erstaunlich ist die Entwicklung in diesem Jahr vor allem im Vergleich zum vergangenen Jahr: Vogelgrippe, Terroranschläge im Sommer und der Streit über die dänischen Mohammed-Karikaturen hatten dafür gesorgt, dass bei Reiseveranstaltern in der Türkei im Schnitt 25 Prozent weniger Buchungen eingingen. Zwar behauptete sich Öger–der Marktführer für Türkei-Reisen–im Branchenvergleich besser als die Konkurrenz. Aber der Umsatz sank um acht Prozent auf 623 Millionen Euro. Auch ein Gewinn sei erzielt worden, dessen Höhe die Familienunternehmerin wie schon ihr Vater, Unternehmensgründer Vural Öger, nicht nennt. „Wir sind klein genug, um flexibel zu bleiben“, sagt die Chefin. Bei Bedarf könne der sechstgrößte Reiseveranstalter Deutschlands seine Hotelkapazitäten kappen und Preise nachverhandeln.

Nina Öger gehört zu den wenigen Frauen an der Spitze größerer Tourismusunternehmen. Sie wird in Hamburg geboren und kommt nach dem Studium der internationalen Betriebswirtschaft 1999 nach mehreren Praktika ins Unternehmen der Eltern. Sie durchläuft alle Abteilungen, dann, nach einem Jahr Babypause, kehrt sie im Jahr 2003 wieder zurück. Seitdem ist sie im Unternehmen, das nach eigenen Angaben etwa 4100 Mitarbeiter beschäftigt, für das Tagesgeschäft zuständig. Firmenpatriarch Vural Öger kümmert sich um die Strategie und ihre Mutter um die Finanzen.

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