Novartis
Der Markt spricht, und Vasella bleibt

Die Generalversammlung der Novartis-Aktionäre am gestrigen Dienstag in der fußballtauglichen Baseler St. Jakobshalle war im Vorfeld von Zeitungen und Fernsehen in der Schweiz zum Showdown mit dem Konzernchef stilisiert worden. Gekommen ist es anders.

BASEL. Auslöser war, wie schon so oft, Vasellas Gehalt, das mit geschätzten 28 Millionen Euro tatsächlich üppig ausfällt und etwa von der Schweizer Gewerkschaft Unia als „modernes Raubrittertum“ angeprangert wird. Wer so viel verdient, darf sich keine Pannen erlauben. Ein Aktienkurs, der von jeder Staatsanleihe in den Schatten gestellt wird, passt da nicht gut ins Bild. Vasellas Ämterfülle, die im Doppelmandat als Verwaltungsratspräsident und operativer Chef bei Novartis gipfelt, fällt angesichts solcher Entwicklungen ebenfalls ungünstig auf.

Umso mehr, als die in der Schweiz populäre Anlagestiftung Ethos Vasella dieses medienwirksam zum Vorwurf machte. Wenn dann auch noch das ein oder andere Medikament in der Pipeline klemmt und schließlich auch ein Patentstreit in Indien so ausgelegt werden kann, als würde der Pharmariese die Ärmsten der Armen von lebenswichtigen Medikamenten abschneiden – ja dann verspricht so ein Tag wie der gestrige Dienstag für einen Konzernchef nicht der erfreulichste zu werden.

Initiative „Gegen die Abzockerei“

Nun, er hat ihn überstanden, wobei das Ergebnis der Wahl, die 93 Prozent Jastimmen für eine Erneuerung seines Vertrags einbrachte, schon sozialistische Qualitäten hat: im Hinblick auf fehlende Alternativen zu Vasella als Führungsfigur und mit Blick auf die Macht des anwesenden Wahlvolks. Kleinaktionäre können auch in der urdemokratischen Schweiz allenfalls Stimmung machen. Ergebnisse verändern können sie nicht.

Zu den Stimmungsmachern gehörte beispielsweise der Schaffhauser Kleinunternehmer Thomas Minder. Er hatte die Initiative „Gegen die Abzockerei“ lanciert und verlangte von Vasella gestern, auf die Hälfte seines Lohnes zu verzichten. „Herr Vasella, Sie sind eindeutig zu teuer“, rief er und erhielt lauten Applaus. Die Multimillionengehälter schadeten dem Image von Novartis.

Konzern-Vizepräsident Ulrich Lehner – ja genau, der Chef vom deutschen Dax-Konzern Henkel – rechtfertigte Vasellas Lohn mit den Worten: „Der Markt spricht.“ Es gebe viele Alternativen für Topmanager.

Immerhin, so räumte Lehner ein, werde Vasella, wenn im Jahr 2009 die Gespräche über seine Vertragsverlängerung anstehen, keine mögliche Abfindung mehr aushandeln können. Vasella dürfte das ganz ohne Schmerzmittel aus der eigenen Hausapotheke verschmerzen können.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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