Oleg Deripaska
Retter des russischen Autos

Darüber, welche Automarke Oleg Deripaska privat bevorzugt, ist wenig bekannt. Sicher ist, dass der russische Milliardär derzeit seine große Aufmerksamkeit einem russischen Autohersteller widmet: Gaz, bekannt im Westen vor allem durch das Ex-Topmodell des Konzerns – die sowjetische Oberklasse-Kutsche „Wolga“.

MOSKAU. Der zweitgrößte russische Autokonzern gehört zu Deripaskas Firmenimperium. Die Zeit des Wolgas ist zwar abgelaufen, aber die der russischen Autoindustrie soll wieder kommen. Der studierte Physiker, der vor allem in der Zeit der russischen „Aluminiumkriege“ der neunziger Jahre die Grundlage für sein Vermögen schuf, will dafür sorgen. „Im Jahr 2000 war ich sicher, dass die russische Autoindustrie stirbt“, sagte er der Zeitung „Wedomosti“. „Jetzt aber kann man in Russland einen Volkswagen mit einem Produktionspreis von rund 8 000 Dollar bauen.“

Ohne ausländisches Know-how dürfte sich bei den russischen Autoschraubern aber wenig bewegen, das weiß Deripaska, den Forbes auf gut 16 Milliarden Dollar schätzt. Erst im Mai kaufte er mit seiner Industrieholding Basic Element rund 15 Prozent an Magna und stellt künftig beim Zulieferer sechs der 14 Aufsichtsräte. In dieses Konzept passt der nicht offiziell bestätigte Kauf von weniger als fünf Prozent an General Motors.

Mit der US-Autoindustrie hat er Erfahrung: Im vergangenen Jahr kaufte er Anlagen aus dem Chrysler-Werk in Sterling Heights und das Recht, auf der Grundlage der Chrysler Mittelklasse-Basis eigene Modelle zu entwickeln.

Die Sanierung des Autosektors liegt auch dem Kreml am Herzen, denn Russlands Wirtschaft braucht eine breitere Basis – weg vom Rohstoffexport. Deripaska gilt als einer mit kurzen Drähten in die Machtzentrale. Mit dem Jelzin-Clan ist er durch Heirat verbunden. Und vor kurzem machte er eine Verbeugung vor der Politik, als er in einem Interview sagte: Er sei bereit, sein Aluminium-Imperium dem Staat zu überlassen, wenn der es verlange. Davon kann derzeit aber keine Rede sein.

Also kann sich Deripaska, 1968 in bescheidenen Verhältnissen geboren, weiter auf die Autobranche konzentrieren, wo er gerne mal hart vorgeht: Beim heimischen Gaz-Konzern baute er 25 000 Arbeitsplätze ab, modernisierte Produktion und Vertrieb und führte ihn in schwarze Zahlen.

Doch all dies wird nicht reichen: Der russische PKW-Markt boomt zwar, doch der Anteil einheimischer Marken sank von knapp 60 Prozent im Jahr 2004 auf 37 Prozent im Vorjahr. Mitbewerber wie Severstal-Avto vom Oligarchen Alexej Mordaschow positionieren sich: Sie kaufen sich in europäische Zulieferbetriebe ein und sichern sich so Know-how.

Der schweigsame Deripaska, dem das Unbehagen, öffentlich aufzutreten, beinahe körperlich anzumerken ist, wenn er auf einem Podium Platz nimmt, wird sich davon nicht beeindrucken lassen. Mit Mordaschow liefert er sich gerade eine Übernahmeschlacht um den russischen Maschinenbauer Power Machines, an dem auch Siemens beteiligt ist.

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