OLG München
EM.TV-Anleger unterliegen vor Gericht

Das Oberlandesgericht München hat nach Angaben der EM.TV AG die Schadenersatzklagen mehrerer Aktionäre gegen das Medienunternehmen abgewiesen. Das Urteil ist ein Rückschlag für die EM.TV-Aktionäre, die sich nach einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) Hoffnungen auf Schadenersatz für ihre Verluste gemacht hatten.

HB FRANKFURT. Wie EM.TV am Donnerstag mitteilte, konnten die Kläger nach Ansicht des Gerichts nicht beweisen, dass der Auslöser für ihren Kauf von EM.TV-Aktien vor fünf Jahren fehlerhafte Ad-hoc-Mitteilungen des Unternehmens gewesen seien. Der Beweis dieses Zusammenhangs ist allerdings notwendig, um den Anspruch auf Schadenersatz durchzusetzen. (Az.: 18 U 2605/05 und 18 W 1709/05)

Der BGH hatte entschieden, dass Anleger, die im Jahr 2000 auf Grund unzutreffender Mitteilungen des Unternehmens Aktien von EM.TV gekauft hätten, den bezahlten Kaufpreis vollständig zurückverlangen könnten. EM.TV und die ehemaligen Vorstände Thomas und Florian Haffa müssten dafür gemeinsam haften.

Vor dem Frankfurter Oberlandesgericht hatte ein Aktionär erstmals 10.000 Euro Schadenersatz vom früheren EM.TV-Chef Thomas Haffa erstritten. Der Kläger hatte über seinen Bankberater vom Halbjahresbericht des Unternehmens erfahren und auf Empfehlung des Beraters EM.TV-Aktien gekauft. Damit sah das Gericht die Kausalität als erwiesen an. Der Bericht hatte sich später als geschönt herausgestellt.

EM.TV, einst ein Star am Neuen Markt, mit einem rasant steigenden Aktienkurs viele Kleinanleger angezogen. Doch das Medienunternehmen übernahm sich bei seinem Expansionskurs. Aus einer Gewinnprognose von 600 Millionen Euro für das Jahr 2000, die regelmäßig in Pflichtmitteilungen bestätigt wurde, wurde am Ende ein Verlust von 350 Millionen Euro. Die EM.TV-Aktien, die im Februar 2000 einen Höchststand von 116 Euro erreicht hatten, brachen bis Ende November auf rund 20 Euro ein. Das BGH hatte die Haffas im Dezember 2004 wegen "unrichtiger Darstellung der Unternehmensverhältnisse" zu Geldstrafen verurteilt.

Gegen EM.TV wurden den Angaben zufolge insgesamt 100 Klagen eingereicht. Bisher seien alle Urteile, davon 40 rechtskräftige, zu Gunsten der Gesellschaft ausgefallen, betonte das Unternehmen am Donnerstag. Die EM.TV-Aktien lagen gegen Mittag 2,3 Prozent im Minus bei 4,15 Euro.

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