Onlinemarktplatz für Gebrauchtwagen
Zwei, die durch dick und dünn gehen

Nicola Carbonari und Nikolas Deskovic wollen die Internetplattform Autoscout24 zu einem Rundumservice fürs Auto ausbauen. Vor zehn Jahren ist das Unternehmen gegründet worden. Heute setzt es 100 Millionen Euro im Jahr um und kann eine Gewinmarge von 25 Prozent vorweisen.

DÜSSELDORF. Irgendwie, dachten sich Nicola Carbonari und Nikolas Deskovic, müssten sich die beiden Branchen doch kombinieren lassen: das Internet als Markt mit enormem Wachstum, die Autoindustrie als größte Industrie der Welt. Wenn das gelänge, könne etwas Großes dabei herauskommen.

Das war Mitte der 90er-Jahre und das Resultat ein Onlinemarktplatz für Gebrauchtwagen. Autoscout24 ging am 28. April 1998 an den Start, jetzt feiert die Plattform ihren 10. Geburtstag – und will vor allem in Osteuropa und im Geschäft mit Ersatzteilen, Inspektionen und Finanzdienstleistungen noch kräftig wachsen.

Etwas ganz Großes wie Google ist Carbonari und Deskovic zwar nicht gelungen. Aber sie haben immerhin eine der wenigen deutschen Internetfirmen geschaffen, die es zu einer stattlichen Größe gebracht haben: Etwa 100 Millionen Euro wird das Unternehmen in diesem Jahr umsetzen, die Marge liegt bei rund 25 Prozent. Mit der Ebay-Tochter Mobile dominiert Autoscout24 den Autohandel im Netz.

Und die beiden Gründer Carbonari und Deskovic sind als Geschäftsführer immer noch an Bord – trotz geplatzter Dotcom-Blase nach der Jahrtausendwende und dem Verkauf an die Deutsche Telekom im Jahr 2003.

Für den riesigen Konzern, sagt Carbonari, seien die Scout-Unternehmen zwar nur „eine Kommastelle in der Bilanz“: „Sie lassen uns aber viel Freiraum.“ Von den beiden braun gebrannten Geschäftsführern ist der 45-Jährige der redseligere. Das langgezogene e am Ende vieler Wörter verrät seine italienischen Wurzeln.

Der gebürtige Italiener und der gebürtige 44-jährige Kroate kennen sich von der Unternehmensberatung McKinsey. Als sich die beiden Meckies selbstständig machen, sind sie eigentlich zu früh dran. Nur jeder zehnte Haushalt in Deutschland verfügt über einen Internetanschluss, von der Euphorie über das neue Medium ist erst wenig zu spüren.

Die beiden Jungmanager finden trotzdem einen finanzstarken Investor: Metro-Gründer Otto Beisheim. Der fast 80-jährige Milliardär hält ihnen auch die Treue, als die Finanziers anderer Internetfirmen nach dem Ende des Börsenbooms schleunigst das Weite suchen.

Um selbst den großen Reibach zu machen, sind Carbonari und Deskovic zu spät dran. Den für Ende 2000 geplanten Börsengang müssen sie absagen, der Neue Markt befindet sich im freien Fall. Sie ziehen die Notbremse, schließen einige Filialen im Ausland. Und zwei Jahre später, als die meisten anderen Dotcom-Firmen schon pleite sind, schreibt Autoscout24 erstmals schwarze Zahlen.

Kurz darauf entscheidet Otto Beisheim aber, sich zurückzuziehen. Er brauchte, vermutet Carbonari, das Geld, um sich ein Denkmal zu setzen: das Beisheim Center am Potsdamer Platz in Berlin. Beisheim verkaufte die Scout-Familie, zu der neben Autoscout24 andere bekannte Namen wie Immobilienscout24 und Jobscout24 gehören, für 180 Millionen Euro an die Telekom – „ein Schnäppchen“, sagt Carbonari. Im vergangenen Jahr bezahlte das Bonner Unternehmen alleine für die restlichen Anteile an Immobilienscout24 fast das Doppelte.

Carbonari und Deskovic wollen das Wachstum in den nächsten Jahren vorantreiben – obwohl das nicht einfach wird. Viele Autohändler, die wichtigsten Kunden von Autoscout24, kämpfen in Deutschland mit rückgängiger Nachfrage. Zudem drängen neue Anbieter in den Markt. Auch Google will sich Teile des lukrativen Geschäfts sichern.

Deshalb investieren Carbonari und Deskovic in Osteuropa und wollen Autoscout24 zu einer Plattform mit einem Rundumservice ausbauen: von Ersatzteilen über Inspektionen bis zu Finanzdienstleistungen.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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