Operation am offenen Herzen
Unternehmer unterschätzen häufig den Aufwand des Product Lifecycle Management

Durch Product Lifecycle Management, das die Beteiligten eines Produktionsprozesses vernetzt, kann sich die Entwicklungsdauer eines Produkts erheblich verkürzen. Mittelständler behandeln das Thema aber noch weitesgehend zurückhaltend. Kommt das System schließlich doch zum Einsatz, ist es meist schon zu spät.

KÖLN. Beim Armaturenhersteller Aloys F. Dornbracht in Iserlohn denken Ingenieure und Techniker bei jedem neuen Wasserhahn, den sie entwerfen, auch an die Verpackung, die er später brauchen wird. Sie geben dem Einkauf Bescheid, damit er die nötigen Teile für die Fertigung bestellen kann - und gestalten das neue Modell so, dass es sich möglichst effizient produzieren lässt. Das ist möglich, weil alle Beteiligten über ein "Product Lifecycle Management"-System (PLM) per Firmensoftware vernetzt arbeiten.

Das hat sich für das Unternehmen mit 600 Mitarbeitern gelohnt: Die Produktentwicklungsdauer sank von etwa zwei Jahren auf sechs Monate. "Mit PLM werden alle Prozesse transparenter", erklärt Geschäftsführer Matthias Dornbracht. "Und wir können schneller reagieren."

Anders als Dornbracht behandeln insbesondere Mittelständler das Thema PLM weiter zurückhaltend - obwohl sie ihm kaum entgehen können: "Großkonzerne leben das vor", sagt Jörg Dasberg, Senior Manager beim Beratungsunternehmen Accenture. "Die Mittelständler als Zulieferer sind gefordert. Der Druck Kosten zu reduzieren und Innovationen schneller auf den Markt zu bringen wird nach unten weiter gegeben."

Oft kommt diese Erkenntnis aber zu spät. "Mittelständler greifen zum PLM wenn es in einem Teil der Firma "brennt". Dann werden schnell große PLM-Projekte gestartet, ohne dass das Unternehmen weiß, wie die Lösung konkret aussehen soll", sagt Konstantin Krahtov vom Forschungszentrum Informatik an der Universität Karlsruhe. In so einer Phase ein Softwarepaket von der Stange zu kaufen, sei genau das Falsche. "Die technischen Lösungen, die Softwareanbieter standardmäßig bereitstellen, entsprechen selten den speziellen Anforderungen der Unternehmen." Die nötigen Anpassungen der Software sind allerdings meist teurer als die Software selbst und schrecken deshalb viele kleinere Unternehmen ab. Für den Experten ist es daher sinnvoll, vor der Umsetzung alle Geschäftsabläufe klar zu definieren und auf Schwachstellen oder Lücken hin zu prüfen.

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