Paradoxien
Wer schwitzt, lebt

Wem es aus allen Poren tropft, dem zollen wir Respekt. Vorausgesetzt, er ist Sportler. Ein schweißgebadeter Manager hingegen erregt Verdacht.

„Dass ich nicht mehr mit saurem Schweiß / zu sagen brauche, was ich nicht weiß.“ Es muss wohl so gewesen sein, dass Faust sich nicht mehr riechen konnte, als er sich entschloss, Mephisto seine Seele zu verkaufen. Nicht erst seit Goethe steht das, was uns aus den Poren tropft, quasi paradigmatisch für harte Arbeit, sauer verdientes Brot und all die verfluchten Widerborstigkeiten des Erwerbslebens, an deren Ende vielleicht ein Preis zu erwarten ist. Aber nur um den Preis des dabei vergossenen Schweißes.

Der Schweiß ist geradezu zum Schwitzwasser gewordenes Symbol für unsere Sündhaftigkeit. Bibel gefällig? „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist.“ Nach dem Paradiesverbot wurden Adam und Eva zur jeweils lebenslangen Transpiration durch Maloche verdammt - und dabei ist’s bis heute geblieben.

Wenn Arbeit adelt, dann ist der Schweiß das gallig-blaue Blut der Arbeitsadligen. „Schweißwasser gibt guten Mörtel“, sagt sauertöpfisch der Engländer und ein anderer, nicht-identifizierter, Volksmund schiebt lust-tötend nach: „Schweiß auf dem Feld hilft in dem Beutel, Schweiß beim Tanz aus dem Beutel.“

Wir wollen hier nicht auf mögliche Einwände des „Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes“ eingehen, sondern den Schweiß als ziemlich widersprüchliche Metapher unserer Jetztzeit betrachten, die an Paradoxien sowieso nicht arm ist.

Mal huldigen wir dem Schweiß, wenn er sportliche Erfolge begleitet, unsere persönliche Fitness und sogar Männlichkeit, wie der australische Geschlechterforscher Robert Connell schreibt: „Das Zusammenspiel von Muskelkraft und Schweiß ist das Zeichen der Selbstüberwindung und Kontrolle des männlichen Körpers.“

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