Per Annonce zum neuen Job
Adam Posen: Ein Amerikaner in England

Die britische Zentralbank suchte Führungskräfte per Zeitungsannonce – und fand einen renommierten Geldpolitiker: Ab September muss sich Adam Posen im Londoner Nieselregen und Nebel zurecht finden. Dann wird der Amerikaner neues Externes Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England und entscheidet künftig mit über die Höhe der Leitzinsen.

FRANKFURT. An seinen neuen Job ist Adam Posen auf eher ungewöhnliche Weise gekommen: Statt Gemauschel hinter verschlossenen Türen und einer geheimes Kandidatenlisten hatte das britische Finanzministerium die Stelle in der britischen Zeitschrift „Economist“ ausgeschrieben. „Externes Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England gesucht“, stand dort am 18. April.

Posen, stellvertretender Direktor des Peterson Institute for International Economics in Washington bewarb sich, auch wenn er dafür den eher lockeren American Way of Life gegen die britische Reserviertheit tauschen musste. Im Sommer zieht er um, zunächst für drei Jahre mit der Option auf Verlängerung.

„Für die Besetzung eines Zinsentscheidungsgremiums ist das revolutionär“, sagte Thomas Maier, Chefvolkswirt Europa bei der Deutschen Bank. Denn für die Führungsposten bei der Bundesbank nominieren die einzelnen Landesregierungen abwechselnd ihre Kandidaten – Qualität ist dabei eher Glückssache.

Auch bei der EZB sind die Ernennungsvorschriften weit weniger liberal als bei den britischen Nachbar. Zwar sollen ihre Direktoriumsmitglieder „aus dem Kreis der in Währungs- oder Bankfragen anerkannten und erfahrenen Persönlichkeiten“ stammen, aber Amerikaner zum Beispiel dürfen sie nicht sein. Sie müssen Staatsangehörige des Euroraums sein.

Der britische Finanzminister Alistair Darling hingegen will künftig alle vier externen Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses (MPC) durch öffentliche internationale Ausschreibungen zu rekrutieren, um frischen Wind in die Zentralbank zu bringen, neue Köpfe und neue Ideen statt eingefahrener Vorstellungen.

In Zukunft sollen auch die Stelle des Gouverneurs und seiner beiden Stellvertreter auf diesem Weg besetzt werden. Ausgenommen sind nur die beiden MPC-Mitglieder, die in der Bank für die Geldpolitik und die Marktoperationen zuständig sind.

Posen, dessen Forschungsschwerpunkte die europäische und die japanische Ökonomie sind, war für die BoE dennoch kein unbeschriebenes Blatt. 2006 hatte er dort ein Forschungssemester verbracht. Überhaupt ist er mit Notenbanken vertraut. Er war Berater bei der US-Notenbank, der europäischen Zentralbank und der Bundesbank. Auch diverse US-Regierungsstellen, die EU-Kommission, das japanische Wirtschaftsministerium und der Internationalen Währungsfonds (IWF) hörten auf seinen Rat.

Am neuen Job reizt den Ökonom vor allem die Möglichkeit, mitten in der Finanzkrise eng in die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden zu sein, sagt der Mann, den selbst Kritiker für „hoch qualifiziert“ halten.

Einstimmen können sich seine neuen Kollegen auf ihn aber schon Mitte Juli. In der kommenden Woche erscheint sein neues Buch „Reform and Growth in a Rich Country: Germany“ .

Adam S. Posen

1966: Adam Posen wird im Dezember in Massachusetts/USA geboren.

1988: Abschluss am Harvard College

1992: Stipendiat der Bosch-Stiftung in Deutschland

1993: Wissenschaftler bei der amerikanischen Denkfabrik Brookings.

1994: Ökonom für Internationale Wirtschaftsfragen bei der Zentralbank von New York

1997: Promotion in Politischer Ökonomie an der Universität Harvard. Seitdem Wissenschaftler am Petersen Institute for International Economics in Washington und

Berater diverser Notenbanken weltweit

2001: Forschungsaufenthalt in Berlin an der American Academy 2006: Forschungsaufenthalt bei der britischen Zentralbank Bank of England (BoE)

2007: Berater der US-Regierung

2009: Ab September Wechsel zur Bank of England als externes Mitglied des geldpolitischen Rates

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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