Peter Bettermann
Das Ende einer Ära

Als erster externer Chef der Firmengruppe führte Peter Bettermann Freudenberg viele Jahre erfolgreich. Der 65-Jährige internationalisierte das Unternehmen und eroberte neue Geschäftsfelder. Nun folgt ihm Mohsen Sohi.
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WeinheimDie Wehmut ist versteckt, nur zwischen den Zeilen zu spüren. Dann etwa, wenn Peter Bettermann über die Region spricht, in der er seit 1994 lebt und arbeitet. "Wer einmal hier gelebt hat ?", sagt er, und jeder am Tisch weiß, wie dieser Satz endet. Hier, das ist Weinheim, das beschauliche Städtchen an der Bergstraße. Hier führt Bettermann die Freudenberg-Gruppe, eines der größten deutschen Familienunternehmen. Bis zu diesem Wochenende noch, dann übergibt er an Mohsen Sohi, einen gebürtigen Iraner mit amerikanischem Pass. "Ich kann mir keinen besseren Nachfolger vorstellen", sagt Bettermann.

Für Freudenberg geht damit eine Ära zu Ende. 1994 war Bettermann vom Ölkonzern BP in die Freudenberg-Gruppe gewechselt, hatte 1997 die Sprecherfunktion der Unternehmensleitung übernommen. Seitdem internationalisierte er das Unternehmen - Hersteller etwa von Schwingungs-und Dämpfungstechnik für Autos und bekannt für die Vileda-Haushaltsprodukte - kontinuierlich, eroberte neue Geschäftsfelder wie Spezialchemie, Komponenten für die Luftfahrt oder die Medizintechnik.

Ab der kommenden Woche wird nun also Sohi das Sagen haben. Bei der Besetzung des Chefpostens scheint der Gesellschafterausschuss, der die Interessen der rund 300 Nachkommen des Firmengründers Carl Johann Freudenberg vertritt, wohl erneut ein glückliches Händchen gehabt zu haben. 2003 war der studierte Maschinenbauer, der kurz vor der Machtübernahme von Ajatollah Chomeini aus Teheran in die USA floh, zu Freudenberg gewechselt, nach Manageraufgaben bei so bekannten US-Konzernen wie Allied Signal, Honeywell und NCR.

Den "Kulturwandel", den Übergang vom schnelllebigen US-Managerleben hin zum langfristigen Denken und Handeln in einem Familienunternehmen hat Sohi bestens gemeistert. Der 53-Jährige weiß, wie wichtig die "Wurzeln" bei Freudenberg sind.

Und er zeigt es: Mit beeindruckender Geschwindigkeit hat er die deutsche Sprache gelernt, für ihn ein "Zeichen des Respekts vor der Kultur" des Landes, in dem er arbeitet. Respekt zeigt er auch gegenüber seinem Vorgänger. Bis zuletzt hielt sich Sohi im Hintergrund, vermied es peinlichst genau, selbst zu sehr im Vordergrund zu stehen.

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Langfristiges Denken und Handeln

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