Peter Elam Håkansson
Pendler zwischen Ost und West

Sie hat sich ganz und gar dem Osten verschrieben: die Stockholmer Fondsgesellschaft East Capital. Bereits seit zehn Jahren versucht Fondsmanager und Haupteigner Peter Elam Håkansson das Geld seiner Kunden zu vermehren. Bislang ist das ihm und seinem Team äußerst gut gelungen.

STOCKHOLM. Im 14. Stock des Kungstornet, des Königsturms, mitten im Stockholmer Finanzzentrum hat man eine grandiose Aussicht. Vor allem der Blick nach Osten durch die meterhohen, von der Decke bis zum Fußboden reichenden Fenster, ist nahezu ungestört. Leider hat Peter Elam Håkansson kaum etwas von dem Panorama. „Im Juni und im Juli bin ich nur jeweils einen Tag hier in Stockholm“, sagt der 44-Jährige. Doch wer sich einen gestressten Manager ob rund 300 Reisetagen im Jahr vorstellt, irrt gewaltig. Håkansson liebt seinen Job, ihn treibt es geradezu nach draußen, raus aus seinem sowjetisch inspirierten Büro mit Holzfurnier-Schreibtisch und grünem Teppich.

Håkansson ist Gründer, Haupteigner und Aufsichtsratsvorsitzender von East Capital, einer Stockholmer Fondsgesellschaft, die sich ganz und gar dem Osten verschrieben hat. Mit Haut und Haaren und der Seele. Zusammen mit seinen rund 115 Mitarbeitern versucht er nun bereits seit zehn Jahren, das Geld seiner Kunden zu vermehren. Bislang ist das ihm und seinem Team äußerst gut gelungen: Die mittlerweile zwölf Fonds haben sich mit jährlichen Renditen von durchschnittlich rund 35 Prozent zu wahren Rennern entwickelt. Morningstar und andere Ratingagenturen wählten East-Capital-Fonds immer wieder unter die Besten ihrer Klasse, Håkansson selbst wurde mehrfach zum besten Verwalter gekürt. „Unser Vorteil gegenüber anderen Fonds ist der klare Fokus auf eine Region“, sagt der Vater von vier Söhnen, der auf viele seiner Reisen auch die Familie mitnimmt. Zusammen mit seinen Mitarbeitern bereist Håkansson ständig die Region, besucht Unternehmen, veranstaltet Anleger-Touren und hat ausgewiesene Experten im Team.

Im Beratungskomitee saß früher der jetzige schwedische Außenminister Carl Bildt, mittlerweile ist er vom ehemaligen norwegischen Außenminister und Ex-Balkan-Beauftragten der EU, Thorvald Stoltenberg, abgelöst worden. Damit unterscheidet sich die Fondsgesellschaft von vielen anderen, die nur passiv verwalten. „Wir investieren sehr viel Zeit vor Ort und wundern uns oft, warum wir so wenige Konkurrenten hier sehen“, sagt Håkansson, dessen erste Begegnung mit Russen am 29. Oktober 1981 stattfand, als er als Wehrpflichtiger das vor der schwedischen Küste auf Grund gelaufene sowjetische U-Boot 137 bewachen musste.

Die 1997 gegründete East Capital ist mittlerweile nach Merrill Lynch mit einem Verwaltungskapital von rund 40 Mrd. Kronen (4,2 Mrd. Euro) der weltweit zweitgrößte Investor in Osteuropa. Håkansson, der die Hälfte an East Capital besitzt und dessen Vermögen derzeit auf rund 1,2 Mrd. Kronen geschätzt wird, ist dennoch bescheiden geblieben. Seinen vom Rost fast aufgefressenen Saab hat er erst kürzlich in einen eher standesgemäßen Mercedes CLS getauscht, und abgesehen von einer exklusiven Armbanduhr würde man dem Mann mit der Meckifrisur und den tiefblauen Augen kaum ansehen, dass er zu den einflussreichsten Investoren auf dem Balkan, im Baltikum und vor allem in Russland aufgestiegen ist.

Die Bescheidenheit hat vermutlich einen guten Grund: Als Håkansson zusammen mit seinen Partnern, der Französin Karine Hirn und dem Litauer Kestutis Sasnauskas, die Fondsgesellschaft gründete, mussten sie sogleich schwere Rückschläge einstecken. „Unser Timing war das schlechteste, das man sich vorstellen kann“, schmunzelt Håkansson heute. Damals war ihm überhaupt nicht zum Lachen zumute. Kurz nach der Gründung von East Capital durchkreuzte eine große Russland- und Rubelkrise alle Hoffnungen auf den schnellen Erfolg. Die Erfahrungen, die Håkansson als Fondsmanager zehn Jahre lang bei der SEB und ihrer Fondsgesellschaft Enskilda Securities gesammelt hatte, halfen ihm wenig. „In der ersten Zeit konnte ich nicht einmal ein Gehalt aus unserem Unternehmen nehmen, meine Frau hat mich finanziert“, sagt er heute.

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