Pioniere der Wirtschaft
Dietmar Hopp: „Wir brauchten Zeit zum Lernen“

Wie SAP-Gründer Dietmar Hopp vom Aussterben der Großrechner profitiert, zum Software-Milliardär und Wohltäter aufsteigt und jetzt am nächsten Projekt arbeitet: einem Fußball-Bundesliga-Club im Kraichgau.

WALLDORF. Als die beiden Besucher aus den Sonnenstrahlen eines Sommertags in den Schatten der Lobby des Golfclubs St. Leon Rot treten, haben sich ihre staunenden Augen noch nicht an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt, da eilt schon ein dienstbarer Geist im dunklen Anzug auf sie zu, der, sei es durch Telepathie, sei es durch schwarze Magie, genau zu wissen scheint, wen er vor sich hat: „Herr Hopp erwartet Sie.“

Die Dienstleistungsmaschinerie des Golfclubs läuft effizient und geräuschlos – fast wie von Zauberhand bewegt. So wie es der Hausherr mag. Hier im nordbadischen Kraichgau ist Dietmar-Hopp-Land – draußen auf den 45 Löchern der zweieinhalb Golfplätze, die sich der 65-Jährige gegönnt hat, aber auch über die Grenzen des Vereinsgeländes hinaus.

Ein paar Stufen die Treppe hinauf, oben im ersten Stock des Clubhauses hat sich der Gründer des Softwareriesen SAP eine Wohnung eingerichtet. Stilmöbel im Salon, ein Esstisch mit zwölf Stühlen, ein dicker Teppich, schwere Vorhänge – die erste Annäherung an Deutschlands vielleicht erfolgreichsten Unternehmer der vergangenen 30 Jahre fällt wie erwartet aus: solider Reichtum, gediegen, aber keinesfalls extravagant.

Hopp ist so etwas wie ein Selfmade-Multimilliardär, ein großspuriges Wort, das so gar nicht zu dem manchmal etwas behäbig wirkenden Mann im legeren Anzug samt Polohemd passen will – genauso wenig wie zur badischen Provinz um die Städtchen Walldorf und St. Leon Rot mit ihren sanften Hügeln.

In diesem Mikrokosmos, in dem das rund 17 Kilometer entfernte Heidelberg, das Urbild deutscher Gemütlichkeit, fast schon wie eine Metropole wirkt, liegt Hopps Universum. In die Welt hinausgezogen hat es ihn nie wirklich, auch wenn er ein Ferienhaus in Florida und eine Golfanlage in Südfrankreich besitzt. Mit traurigem Ton in der Stimme erzählt er die Geschichte eines Freundes, der aus Steuergründen nach Costa Rica auswanderte und dort vereinsamte. „Das wird mir nicht passieren.“

Warum sollte Hopp auch der Versuchung des Fernwehs erliegen, wenn er sich hier im Kraichgau mit den SAP-Milliarden seine kleine Welt aus Sport, Wohltätigkeit und Unternehmertum geschaffen hat?

Vielleicht ist es ja gerade dieses Bodenständige und Grundsolide, das den Erfolg des Unternehmers Hopp ausmacht. Vielleicht ist der auf den ersten Blick so außergewöhnliche Weg einer Firma mit dem Standortnachteil Deutschland in der Hochgeschwindigkeitsbranche Softwareentwicklung tatsächlich auf urdeutsche Tugenden wie Ingenieurskunst und Gründlichkeit zurückzuführen?

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