Porsche-Prozess
„Wiedeking und Piëch waren auf Crashkurs“

Im Porsche-Prozess haben die Verteidiger von Ex-Firmenchef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter auf Freispruch plädiert. Die Anwälte gingen dabei mit der Staatsanwaltschaft hart ins Gericht.

StuttgartDer zweite Akt des Showdowns im Porsche-Prozess: Die Verteidiger im Strafverfahren gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dessen damaligen Finanzchef Holger wegen Marktmanipulation beim Übernahmekampf um den VW-Konzern haben auf Freispruch plädiert.

„Allen Ankündigungen von Porsche waren richtig. Es gab keinen geheimen Plan, den Kurs hochzujubeln, um anschließend Kasse zu machen", sagte Wiedekings Verteidiger Walther Graf vor dem Landgericht Stuttgart. Keine Zeugenaussage in der Hauptverhandlung habe die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft auf informationsgestützte Marktmanipulation bestätigt. Es habe weder drohende Milliardenverluste durch die Optionsgeschäfte im fraglichen Zeitraum gegeben, noch sei Liquidität bedroht gewesen, sagte Anne Wehnert, Verteidigerin von Ex-Finanzchef Holger Härter. „Das waren rein buchhalterische Verluste“, sagte Wehnert. Es sei „sinnentleert, dass die Staatsanwaltschaft sich bei der Betrachtung nur einen kleinen Zeitraum herausgepickt hat“.

Zudem habe sich die Staatsanwaltschaft schlicht verrechnet. Wehnert bezifferte die Liquidität im Oktober 2008 mit bis zu drei Milliarden Euro. Und es hätte allenfalls ein Verlust von knapp 200 Millionen Euro gedroht und nicht sieben Milliarden Euro, wie die Staatsanwaltschaft behaupte. Alle Verteidiger forderten Freispruch für ihre Mandanten.

Die Staatsanwaltschaft hingegen hatte am vergangenen Mittwoch Freiheitsstrafen und Geldbußen für Wiedeking und den früheren Porsche-Finanzchef Härter gefordert. Wiedeking soll nach ihrem Plädoyer zweieinhalb Jahre ins Gefängnis gehen. Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass die beiden 2008 mit unrichtigen öffentlichen Aussagen Anleger täuschen und den VW-Aktienkurs manipulieren wollten.

In dem seit Oktober laufenden Prozess geht es um den letztlich gescheiterten Versuch der Porsche SE, den viel größeren Volkswagen-Konzern 2008 vollständig zu übernehmen. Von März bis Oktober dieses Jahres hatte Porsche diese Absicht dementiert, am 26. Oktober den Plan aber offen gelegt. Daraufhin schnellte der Aktienkurs in schwindelnde Höhen. Anleger, vor allem Hedgefonds, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, erlitten Milliardenverluste und klagen noch heute auf Schadensersatz. Bei den Verhandlungen sitzen immer zahlreiche Anwälte der Hedgefonds im Publikum und schreiben mit. Sie hoffen auf Material für ihre eigenen Zivilprozesse. Sie kritisieren, dass die Zeugen im Strafprozess nicht hart genug vernommen wurden.

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„Sie haben nichts, aber auch gar nichts verstanden“

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