Porsche-Urgestein neuer Produktions-Chef
Wolfgang Leimgruber: Karriere im letzten Anlauf

Beinahe wäre es nichts mehr geworden mit einem Posten in der Führungsriege. Doch mit dem Ausscheiden von Wendelin Wiedeking rückt Wolfgang Leimgruber nach über 30 Jahren doch noch in den Porsche-Vorstand. Der 59-Jährige lenkt künftig die Produktion der Zuffenahusener Sportwagenschmiede. Hierfür wird der gebürtige Laupheimer eine ruhige Hand brauchen - sein Hobby könnte ihm dabei helfen.

STUTTGART. Die Brille mit dem markanten dunklen Gestell ist die einzige Auffälligkeit, die sich der schlanke Manager leistet. Selbst wenn er in die Werkskantine geht, legt Wolfgang Leimgruber den grauen Arbeitskittel mit dem obligatorischen Namensschild nicht ab. Nur die Krawatte verrät, dass es sich beim Chef des Karosseriebaus um einen aus der Führungsriege von Porsche handelt.

Bodenhaftung ist dem gebürtigen Laupheimer wichtig. Das Autobauen hat er von der Pike auf gelernt: erst eine Lehre als Maschinenschlosser, dann Ingenieurschule in Ulm und schließlich Maschinenbaustudium an der TH Stuttgart. Seit über 30 Jahren schafft er für den Sportwagenbauer, seine gesamte Karriere. Langsam und kontinuierlich hat er sich nach oben gearbeitet. In der Ära Wiedeking zählt Leimgruber zu den Männern der ersten Stunde, stand aber bislang in der zweiten Reihe.

Hätte Porsche-Chef Wiedeking nicht nach dem Machtkampf um VW aufgeben müssen und wäre ihm nicht der bisherige Produktionschef Michael Macht auf dem Chefsessel gefolgt – der 59-jährige Leimgruber hätte es wohl nicht mehr bis zum Produktions-Vorstand geschafft. Aber nach den Turbulenzen der vergangenen Monate scheint die Zeit für einen Mann mit seiner Erfahrung gekommen zu sein. „Umgänglich und dabei fachlich über jeden Zweifel erhaben“, beschreiben ihn Mitarbeiter. Darüber hinaus strahlt er Ruhe aus und kann gut ein Team führen. Den mächtigen Betriebsratschef Uwe Hück kennt Leimgruber, seit Hück einst als Lackierer in seiner Abteilung anfing. Hück schätzt den neuen Produktionschef sehr, auch wenn beide schon so manchen Strauß ausgefochten haben.

Leimgruber wird eine ruhige Hand brauchen, die verunsicherte Mannschaft in Zuffenhausen für den künftig von Wolfsburg aus gesteuerten Konzern zu motivieren. Sein Hobby könnte ihm helfen: Als passionierter Segler ist er gewohnt, auch auf stürmischer See Ruhe zu bewahren und günstige Winde abzuwarten. Ein eigenes Boot besitzt er nicht. Aber als Mitglied der Betriebssportgruppe Segeln verbringt der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohns sogar einen Teil seiner Freizeit mit Kollegen auf Segeltörns in der Ostsee oder im Mittelmeer. Mit VW hat Leimgruber zumindest privat keine Berührungsängste. Ein Käfer-Cabrio Baujahr 1974 steht in der Garage – liebevoll von eigener Hand restauriert.

Leimgruber ist im Management hochangesehen und vertritt seit 2007 die Führungskräfte im Aufsichtsrat. Er verfügt deshalb über tiefere Einblicke ins komplizierte Innenleben des Familienkonzerns. Seinen Aufsichtsratsposten wird er als Vorstandsmitglied aufgeben. Auf dem Papier übernehmen mit Macht und Leimgruber zwei Wegbegleiter Wiedekings das Ruder. Klar ist aber auch, dass VW-Aufsichtsrat und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch nach dem gewonnenen Machtkampf die Personalien mit Stallgeruch billigt.

Jetzt fehlt noch ein neuer Finanzchef. Mit der Ernennung der Wiedeking-Vertrauten erhöht sich aber die Wahrscheinlichkeit, dass auf diesen noch offenen Posten ein Aufpasser von Wolfsburgs Gnaden installiert wird.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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