Porträt
Hüter des Schatzkästleins

Franz Sales Waas ist als Chef der Dekabank doppelt gefordert: von der Finanzkrise und von Umbauplänen. Zeit zum Entspannen hat er nur selten. Jetzt steht er vor einer besonderen Herausforderung.

FRANKFURT. Vergangenes Wochenende konnte Franz Sales Waas wenigstens für ein paar Stunden entspannen. Beim traditionellen Christbaumschlagen, das dieses Mal am verschneiten „Forsthaus Lauschhütte“ in Daxweiler stattfand, gab es wenigstens für eine kurze Weile auch noch andere Themen als die Finanzkrise. Trekking auf Borneo beispielsweise, und Aufzuchtstationen für Orang-Utans oder einfach nur das Online-Surfen im Globetrotter-Paradies „Lonely Planet“.

Solche Ablenkungen wie auf den Rheinhöhen sind rar geworden im Leben des Vorstandsvorsitzenden der Dekabank. Denn er trägt die Verantwortung für das Schatzkästlein der 430 Sparkassen im Lande und für Millionen Kunden, die ihr Vermögen in den „roten“ Aktien- und Rentenfonds angelegt haben.

Der Kapitalmarktexperte mit deutschem und amerikanischem Pass hat derzeit nicht nur mit den Verwerfungen der Märkte zu kämpfen, seine Bank steht auch im Mittelpunkt „geostrategischer“ Überlegungen im heterogenen Finanzverbund des öffentlich-rechtlichen Lagers. Geht es nach den Vorstellungen der Sparkassen, dann soll die Dekabank das Kapitalmarktgeschäft und einige Beiboote der WestLB aufnehmen, und auch die Landesbank Hessen-Thüringen könnte bei diesen Sandkastenspielen im XXL-Format am Ende noch dazustoßen. Eine solche Mega-Landesbank in der Mitte Deutschlands ist derzeit der letzte Rest, der aus einem bundesweiten Masterplan noch übrig geblieben ist. Denn die Idee einer Süd-Bank aus den Landesbanken in München und Stuttgart ist nach den horrenden Verlusten der BayernLB zunächst ad acta gelegt worden.

Diese Woche muss Waas seinen Eigentümern aus Sparkassen und Landesbanken erläutern, ob er sich einen Zusammenschluss mit der WestLB vorstellen kann. Wahrscheinlich, so wird gemutmaßt, wird er noch ein wenig weiterpokern, denn noch läuft die Zeit für ihn, sitzt doch der Düsseldorfer Bank die EU-Kommission mit Ultimaten für eine Restrukturierung im Nacken. Generell wird er einer Zweiteilung seiner Deka – die als eine Option in der Neuordnung gehandelt wird – in einen Kapitalmarktteil und das Fondsgeschäft eher skeptisch gegenüberstehen. Dabei würden einige Sparkassen dies durchaus begrüßen. Ihnen sind die Milliardentransaktionen mit freier Liquidität der Bank nicht ganz geheuer. Waas hat zwar bisher Fortune gehabt, aber beim Kauf niedrig bewerteter Papiere ist er etwas zu früh eingestiegen. „Er dient den Sparkassen, aber sein Herz schlägt für den Kapitalmarkt“ sagt ein Wegbegleiter.

Die Doppelbelastung aus Finanzkrise und Plänen für eine neue Eigentümerstruktur haben auch den Dauerläufer Waas zuletzt über Gebühr strapaziert. „In den Meetings wirkte er in den letzten Wochen angespannter, man spürt, dass er viele Handlungsstränge verfolgen muss“, sagt ein Insider. Richtig loslassen wird Waas vielleicht erst wieder beim nächsten Christbaumschlagen – dazwischen liegen wohl die härtesten zwölf Monate seiner Karriere.

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