Porträt: Patrick Schwarz-Schütte
Jetzt oder nie

Patrick Schwarz-Schütte hat seinen Vater Rolf überzeugt: Das Familienunternehmen Schwarz Pharma wird verkauft. Die Gelegenheit ist so günstig.

DÜSSELDORF. Die Verhandlungen dauern bis in die frühen Stunden des Montagmorgens. Erst kurz nach sechs Uhr unterschreiben Patrick Schwarz-Schütte und UCB-Chef Roch Doliveux in London das Übernahmeangebot. Damit ist es amtlich: Das 60 Jahre alte Familienunternehmen Schwarz Pharma aus Monheim bei Düsseldorf gibt seine Eigenständigkeit auf und geht in den Besitz des belgischen Pharmaunternehmens UCB über.

„Heute ist ein Tag mit zwiespältigen Gefühlen“, beschreibt Schwarz-Schütte am späten Nachmittag im Düsseldorfer Industrieclub den Deal. Ohne vorbereitetes Manuskript erklärt er der Presse die Gründe, warum seine Familie das vom Vater gegründete Unternehmen verkauft hat und dafür zweitgrößter Aktionär von UCB wird.

Das alles kommt sehr souverän und sachlich über Schwarz-Schüttes Lippen, wie es seine Art ist. Doch der Verkauf ist ein tiefer Einschnitt. Zwar deutete bei Schwarz Pharma schon seit einigen Monaten alles darauf hin, wobei nur Schwarz-Schütte selbst UCB ganz oben auf seiner „kurzen Kandidatenliste“ hatte. Trotzdem wollten und konnten viele Mitarbeiter nicht wirklich glauben, dass das Unternehmen verkauft wird. „Das wird der Senior bestimmt nicht mitmachen“, war auf den Fluren der Konzernzentrale in Monheim zu hören.

Tatsächlich fällt bei Schwarz Pharma praktisch keine so substanzielle Entscheidung ohne den Senior. Der Firmengründer Rolf Schwarz-Schütte hat immer noch großen Einfluss auf das Unternehmen. Er ist Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats und fährt auch mit seinen 85 Jahren noch jeden Tag in „seine Firma“, getreu seinem Motto: „Wer sich einmal dafür entschieden hat zu unternehmen, anstatt zu unterlassen, der ist sein ganzes Leben dazu verpflichtet.“ Sein Sohn Patrick leitet jedoch schon seit 1992 als Vorstandsvorsitzender offiziell die Geschäfte.

Dass sich der Vater dennoch von seinem Lebenswerk trennt, hängt auch damit zusammen, dass sich der Konzentrationsprozess in der Pharmabranche beschleunigt. Die Kosten für die Erforschung neuer Produkte und die Markteinführung sind hoch. Das übersteigt oft die Möglichkeiten des Mittelständlers. Die Gelegenheit für einen Verkauf ist so günstig wie nie in der Firmengeschichte: Schwarz Pharma verfügt über viele gute Produkte und neue Wirkstoffe im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.

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