Porträt: Rolf Breuer
Breuer muss für Treue zu Seifert zahlen

Rolf Breuer scheut Konflikte nicht. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Börse stellte sich der 67-Jährige wochenlang vor Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert und stritt mit dem Hedge-Fonds TCI um die richtige Strategie.

HB FRANKFURT. Letztlich konnte er aber Werner Seifert nicht retten. Nun bezahlt der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse für seine Nibelungentreue und nimmt mit dem Vorstandschef seinen Hut.

„Es wäre verhängnisvoll, wenn jetzt der Steuermann von Bord ginge“, hatte Breuer noch vor zwei Monaten gesagt. Beide reagierten mit ihrer Demission auf den Druck rebellierender Anteilseigner um den Hedge Fonds TCI, die bereits den geplanten Kauf der Londoner Börse LSE zum Scheitern gebracht haben. Der braun gebrannte und meist gut gelaunt auftretende 67-jährige Breuer hatte die Übernahme der LSE stets selbst als persönliches Projekt vorangetrieben. Vor der drohenden Abwahl auf der Hauptversammlung am 25. Mai zog der Aufsichtsrat die Reißleine.

Auch diesmal hat der frühere Deutsche-Bank-Chef die Ausdauer seiner Gegner unterschätzt. Nicht nur die Fonds, auch die Frankfurter Finanzgemeinde hatte er brüskiert, als er forderte, das Thema einer großen Börsenfusion „eher europäisch und nicht provinziell zu sehen“. Selbst die Ankündigung milliardenschwerer Ausschüttungen konnte die Großaktionäre nicht mehr besänftigen.

Breuer, seit zwölf Jahren Aufsichtsratschef der Börse, hat das Finanzwesen bei der Deutschen Bank von der Pike auf gelernt. Nach dem Abitur absolvierte der gebürtige Bonner eine Banklehre in Mainz und München. Anschließend studierte er Jura in Lausanne, München und Bonn. 1967 promovierte er in Bonn. Über die Börsenabteilung des Instituts stieg Breuer nach und nach in die Karriereleiter hinauf. 1985 wurde er zum stellvertretenden, 1987 zum ordentlichen Vorstandsmitglied bestellt. Zehn Jahre später übernahm er den Chefsessel bei Deutschlands einzigem international wettbewerbsfähigen Kreditinstitut. Im Mai 2002 übergab er sein Amt an Josef Ackermann und wechselte an die Aufsichtsratsspitze der Bank.

Zwar führte Breuer die Deutsche Bank erfolgreich in die erste Liga der Geldhäuser, doch hat er durchaus Erfahrung mit geplatzten Firmenzusammenschlüssen. Im Jahr 2000 scheiterte nicht nur der erste Versuch der Deutschen Börse, die Londoner Konkurrenz zu kaufen. Auch die Absage der Fusion von Dresdner und Deutscher Bank brachte Breuer an den Rande eines Rücktritts.

Dass manch vermeintlich schwacher Gegner durchaus fähig ist, erbittert Widerstand zu leisten, hat der erfahrene Finanzmanager ebenfalls zu spüren gekommen. 2002 äußerte sich Breuer kurz vor der Insolvenz des Medienimperiums von Leo Kirch kritisch zu dessen Kreditwürdigkeit. Seither überzieht der der Medienunternehmer ihn und die Deutsche Bank mit Prozessen - in erster Instanz mit Erfolg.

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