Porträt
Stefan Zoller: Im langen Schatten von Airbus

Trotz Pech und Pannen genießt Stefan Zoller in seinem Unternehmen einen guten Ruf. Der Chef der Verteidigungssparte bei EADS hat das Rüstungsgeschäft saniert. Jetzt will er die Sparte in eine neue Dimension katapultieren.

MÜNCHEN. Es sind keine guten Zeiten für Rüstungsgeschäfte in Europa. Die Kassen der europäischen Regierungen sind leer, da nützen auch wasserdichte Verträge wenig. 112 Maschinen hat Stefan Zoller mit seinen europäischen Kollegen über das Eurofighter-Konsortium in Berlin, London, Madrid und Rom verkauft. Das ist nicht unbedingt berauschend: Ein Rahmenvertrag aus einem anderen Jahrhundert hatte ihnen die doppelte Anzahl zugesichert.

Für den Chef der EADS-Verteidigungssparte ist das trotzdem ein Erfolg. Immerhin wird er mit haftbar gemacht für das Debakel um den Militärtransporter A400M, der mindestens drei Jahre Verzögerung hat und wohl teurer wird als erwartet. Dass der Pannenflieger federführend von der Konzernschwester Airbus entwickelt wird, interessiert in Berlin wenig. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern hatte schon mal ein besseres Renommee bei der Regierungskundschaft.

Dafür ist Zollers Ruf im Hause EADS gut. Die jahrelang siechende Rüstungssparte ist längst eine Stütze im Konzern. Und während Airbus vor schwierigen Jahren steht, wächst das Geschäft mit Raketen, Radaren, Eurofightern und innerer Sicherheit beständig.

2008 setzte die Sparte 5,7 Mrd. Euro um und verdiente 408 Mio. Euro. "2009 wollen wir noch besser werden", verspricht Zoller. Dabei ist seine Rüstungssparte schon jetzt die profitabelste im ganzen Konzern und soll langfristig das Übergewicht von Airbus besser ausbalancieren.

Der eloquente Jurist ist niemand, der seine eigenen Verdienste zu klein verkauft. Zudem hat Zoller einen engen Draht zum EADS-Übervater Manfred Bischoff, dessen Büro er jahrelang leitete. Der heutige Daimler - Aufsichtsratschef Bischoff wacht noch immer streng über die Geschicke der EADS, zumindest auf der deutschen Seite.

Dennoch verbindet die Öffentlichkeit mehr mit dem Namen Tom Enders, Zollers Vorgänger in der Verteidigungssparte. Enders führt heute die fünfmal so große Flugzeugtochter Airbus, und die hat im Konzern immer Vorfahrt: Jetzt in der Krise müssen die lang angekündigten Zukäufe im Rüstungsgeschäft verschoben werden, weil Airbus Geld für die Kundenfinanzierung braucht. Auch bei der Neuordnung der Konzernstruktur zog Zoller jüngst den Kürzeren: Die einst eigenständige Sparte in Unterschleißheim bei München wurde Anfang des Jahres formell dem Weltraumgeschäft in Paris untergeordnet. Wie so oft in der kurzen EADS-Geschichte hat das viel mit Politik und wenig mit dem Geschäft zu tun.

Doch auch mit weniger Status und ohne Zukäufe will Zoller das Rüstungsgeschäft in eine neue Dimension katapultieren. Die EADS soll eigene, unbemannte Flugzeuge entwickeln. Das Geschäft mit abhörsicheren, digitalen Kommunikationsnetzen für Militär, Polizei und Rettungsdienste wird ausgebaut. Für ganze Staaten will der Konzern Sicherheitskonzepte verkaufen. Nach Aufträgen für Grenzsicherungssysteme für Rumänien und Katar steht Zoller kurz vor dem Zuschlag eines Großauftrages aus Saudi-Arabien. Ein Netz von Radaren, Horchposten und Hochleistungsrechnern soll Grenzen des Königreiches vor Terroristen, Schmugglern und Piraten schützen. Ein Milliardengeschäft mit viel Zukunft.

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