Premiere-Chef Kofler
Das Glück eines Zockers

„Ich bin doch nur ein einfacher Marketing-Mann“, sagt der kleine Mann in der großen Sendezentrale, die sein Haus während der Fußball-WM im Herzen der Fanmeile hat aufbauen lassen. Es ist der 20. Juni 2006, am Nachmittag spielt Deutschland gegen Ecuador, Premiere ist live und mit gewaltigem Aufwand dabei.

MÜNCHEN. Georg Kofler aber steht trotzdem mit dem Rücken zur Wand. Seit dem Verlust der Bundesliga-Übertragungsrechte hat sein Unternehmen an der Börse zwei Drittel seines Werts verloren, nun stellt er sein neues Preismodell vor. Ein wenig billiger, ein wenig anders, das mit der Bundesliga, sei kein Drama. Doch wer glaubt ihm das noch? Die Börse reagiert aufs neue Preismodell reagiert verschnupft, schon vor dem Spiel ist der Kurs erneut im Minus.

Wenn Kofler hinter dem Rednerpult hintersinnig lächelt, dann ist es, als gehe ihn das alles nichts an. Dabei rumort es in ihm. Seine Freunde sagen, er sei am besten, wenn er aus der Defensive agiere. Kaum einer habe so viel Biss wie er, bekräftigt Helmut Thoma, der frühere RTL-Chef.

Tatsächlich sieht man ihm selbst die Anspannung der vergangenen Monate nicht an, das ist seine Natur. Man muss in die Gesichter der direkten Umgebung schauen, um zu wissen, dass Premiere, dieses oft totgesagte Experiment, seit Monaten einen Überlebenskampf führt.

„Ich bin Bergsteiger und finde auch in unwegsamem Gelände meinen Weg“, hat er oft und gerne von sich selbst gesagt, wohl wissend, wie sehr dergleichen Sprüche von der Medienzunft aufgesogen werden. Als Meister der Selbstinszenierung hat sich Kofler selbst zum Markenartikel gemacht, er und Premiere, das war am Ende fast eine untrennbare Einheit. Das mag einer der Gründe dafür sein, dass er fast gescheitert ist.

Sicher, viele Medienmanager hier zu Lande sind für Sprüche gut, viele pflegen intensive Kontakte zu Journalisten. Wenn Kofler hier schon zu den Besten gehört, so ist er mit seinem Kampfeswillen und seiner zur Schau getragenen Dauerzuversicht, aber auch mit seinem trick- und fintenreichen Verhandlungsstil zu einer Ausnahmeerscheinung geworden.

Am Donnerstag hat sich das einmal mehr bestätigt. Dank des Geschäfts mit dem unreifen Rivalen Arena ist Kofler zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder in der Offensive. Jetzt überträgt Premiere die „Arena-Bundesliga“ – es gibt wieder Hoffnung. Für Georg Kofler ist das mehr als nur ein Geschäft, es dürfte ihm, für den Erfolg etwas Existenzielles hat, um die Ehre als Geschäftsmann gegangen sein. Da hatte er auch für sich selbst viel wieder gutzumachen.

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