Pro-Sieben-Chef Guillaume de Posch steigt auf
Der Mann, der Saban die Schau stiehlt

Guillaume de Posch, Vorstandschef der Pro Sieben Sat 1 Media AG, kommt ausgessprochen bieder daher. Doch das Äußere täuscht: Der gebürtige Belgier ist gerade dabei, seinem Förderer Haim Saban die Schau zu stehlen.

MÜNCHEN. Neben dem stets braun gebrannten, immer lächelnden Haim Saban wirkt Guillaume de Posch wie der Sprecher einer Schülerzeitung. Blass, die Haare akkurat zum Scheitel gekämmt und oft mit ernster Miene kommt der Vorstandschef der Pro Sieben Sat 1 Media AG ausgesprochen bieder daher. Doch das Äußere täuscht: Der gebürtige Belgier ist gerade dabei, seinem Förderer Saban die Schau zu stehlen.

Denn mit dem Verkauf der Mehrheit der Münchener Fernsehkette an den Axel Springer Verlag verliert Milliardär Saban seinen Einfluss auf die deutsche Medienlandschaft. De Posch dagegen steht vor dem nächsten Karrieresprung. Der Fernsehgewaltige soll in einen künftig auf fünf Mitglieder erweiterten Springer-Vorstand aufrücken, heißt es aus Kreisen des Konzerns. Noch muss sich de Posch gedulden. Der Wechsel soll im nächsten Jahr erfolgen, wenn die Kartellbehörden die Übernahme abgesegnet haben. Springer wollte sich dazu nicht äußern.

„Ich bin stolz, an der Spitze eines solchen Unternehmens zu stehen“, sagte de Posch vergangenen Sommer auf der Hauptversammlung, kurz nachdem ihn Saban auf den Chefsessel von Pro Sieben Sat 1 befördert hatte. Er sagte dies wie ein Buchhalter, der gerade die Quartalsabrechnung fertig gemacht hat und ins Wochenende geht. Entsprechend dürftig fiel der Applaus der Aktionäre für den studierten Betriebswirt aus.

Ein Jahr später, im Sommer 2005, klatschten die Anteilseigner länger. Nicht, weil de Poschs Rede mitreißender gewesen wäre. Die Aktionäre waren zufrieden, weil der Ex-Unternehmensberater trotz eines miesen Umfelds gute Zahlen vorlegen konnte. Saban lobte, er habe „einen wunderbaren Job“ gemacht.

Seine positive Bilanz nach einem Jahr an der Spitze von Deutschlands größtem TV-Konzern hat wohl auch Springer beeindruckt. Mit dem neuen Vorstandsposten bei Springer würde de Posch den Zeitschriftenvorstand Andreas Wiele entlasten. Der hatte nach dem Ausscheiden des ehemaligen TV-Vorstands Hubertus Meyer-Burckhardt die Verantwortung für die Beteiligung an Pro Sieben Sat 1 sowie für diverse Hörfunksender übernommen.

De Posch kennt sich beim Fernsehen bestens aus. Schon 1993 geht er zu RTL nach Luxemburg, später wird er Vizechef des französischen Abo-TV-Unternehmens TPS. 2003 wirbt ihn dann Saban für Pro Sieben ab, wo er die Verantwortung für das tägliche Geschäft übernimmt. Im Frühjahr 2004 ersetzt de Posch schließlich Urs Rohner auf dem Chefsessel. Den Schweizer hatte noch der frühere Pro-Sieben-Eigner Leo Kirch geholt.

Die enge Zusammenarbeit mit Strahlemann Haim Saban hat bei de Posch Spuren hinterlassen. Am Freitag, als Springer die Übernahme verkündete, gab er sich ungewohnt locker. Der sonst so spröde Belgier empfahl Springer-Chef Mathias Döpfner, vermehrt die Sendungen von Pro Sieben und Sat 1 anzuschauen. Dort seien die Mädchen genauso schön wie auf Seite eins der „Bild“-Zeitung von Springer.

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