Produktionsverlagerung nach Deutschland
Zurück ins Hochlohnland

Die Beteiligungsgesellschaft DIC Investment sorgte beim Tresorhersteller Format für Überraschungen: Gegen den Trend zur Auslagerung in Billiglohnländer vergrößert sie den deutschen Standort Lichtenau, der polnische dagegen wird geschlossen. Nach Prüfung aller Fakten und wohl durchdacht.

80 000 Tresore und Geldautomaten stellen die Hessen mit 180 Mitarbeitern Jahr für Jahr her, damit sind sie Deutschlands Branchenführer und europaweit die Nummer zwei. Heute schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen. Doch es ist erst zwei Jahre her, da steckte Format Tresorbau tief in der Krise. Dann stieg der Investor DIC ein. Der investierte einen zweistelligen Millionenbetrag in die Firma und brachte sie wieder auf Kurs.

Dass Format mittlerweile den Billiganbietern rund um den Globus die Stirn bieten kann, liegt nicht etwa daran, dass man selber von Billiglöhnen profitiert. Im Gegenteil: Das Unternehmen produziert ausschließlich in Deutschland. "Wir sehen Hessisch-Lichtenau als idealen Standort, um Zentraleuropa zu bedienen," meint Format-Geschäftsführer Michael Kleinert. Dass er das Hochlohnland so lobt, liegt daran, dass Kleinert die Alternative ausprobiert hat.

Zwei Jahre lang ließ das Unternehmen seine Präzisionsschränke auch im polnischen Bromberg fertigen. Doch es gab zu viel Ausschuss, oft mussten die teuren Tresore in Deutschland nachgebessert werden. "Das Qualitätsverständnis ist dort ein anderes," vergleicht Vertriebsleiter Udo Pawelka diplomatisch. "Und der Aufwand, um auch dort für uns akzeptable Ergebnisse zu erzielen, war zu hoch."

Doch es lag nicht nur an der Qualität. Viele Kunden, die Tresore bestellen, wollen sie sofort. Durch den weiten Weg aus Blomberg verlängerte sich die Lieferzeit aber um zwei bis drei Tage. Als sich der Transport dann noch durch Mautgebühren und steigende Spritpreise deutlich verteuerte, dachte das Management endgültig um. Schließlich trafen explodierende Transportkosten den Tresorspezialisten doppelt: "Wir mussten ja nicht nur die fertigen Schränke nach Westen karren, sondern vorher auch das Rohmaterial nach Polen," erläutert Pawelka. "Denn Stahl, wie wir ihn brauchen, gab es dort nicht." Hinzu kam: Die Löhne stiegen in Polen drastisch – jährlich bis zu zehn Prozent.

Schließlich ließ DIC eine Wirtschaftlichkeitsrechnung durchführen – mit der Ausgangsthese: "Wie würden wir dastehen, wenn wir nur noch in Deutschland fertigten?" Das Ergebnis: Format kann hier zu Lande zu gleichen Preisen, aber schneller, individueller und in deutlich höherer Qualität produzieren als in Osteuropa.

Anfang Juli verkündete der Geldschrankhersteller die Schließung der polnischen Tochterfirma. 36 Arbeitsplätze wurden zurückverlagert nach Hessen, bald sollen hier außerdem bis zu 60 neuen Jobs entstehen.

Die Zauberformel, um in Deutschland mit Gewinn zu produzieren, sind niedrige Lohnstückkosten – hier unterscheidet sich Format nicht von anderen seiner Branche. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, weihte der Tresorbauer Anfang Juli eine mehrere Millionen Euro teure – wie er stolz verkündet weltweit einmalige – Produktionsstraße ein. Bei den Schränken, die damit hergestellt werden, sinken die Lohnstückkosten von 30 auf zehn Prozent. Außerdem kann das Unternehmen jetzt in 48 Stunden jeden gewünschten Geldschrank herstellen.

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