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Ausstöpseln und neu verkabeln – das hilft

Tonio Kröger ist neuer Chef von DDB Deutschland und verantwortlich für die neue Golf-Kampagne. Skandale sind seine Sache nicht – auch wenn Lärm bei vielen Werbeprofis zum Handwerkszeug gehört.

DÜSSELDORF. Wenn er aus dem Bürofenster in Berlin-Mitte schaut, sieht er den Schriftzug „Scandalo“ über einem Ladengeschäft. Skandale und Tabubruch sind oft Methoden, mit denen Werber Aufmerksamkeit zu erregen suchen. Nicht so Tonio Kröger. Er schaut nicht raus. Skandale sind seine Sache nicht – auch wenn Lärm bei vielen Werbeprofis zum Handwerkszeug gehört.

In diesen Tagen lässt der neue Chef von DDB Deutschland das Land mit Plakaten pflastern, auf denen Wunderliches steht. Da heißt es etwa: „Der neue Golf: Fährt jetzt auch geradeaus“. Oder: „Der neue Golf: Fährt jetzt auch in Kurven und wieder raus“. Bei dieser millionenschweren Einführungskampagne für den neuen „Volkswagen“ von VW fragen sich viele: „Was soll das? War der Golf bislang etwa schlecht?“ In ein paar Tagen gibt es die Auflösung. Technische Neuerungen haben das Fahrverhalten des neuen Modells weiter stabilisiert. Das will der Autohersteller kommunizieren.

Zu dieser Kampagne gehört Mut. Im Verein mit seinem Chefkreativen Amir Kassaei hat Kröger die Wolfsburger überzeugt und Konkurrenz aus dem Feld gejagt. DDB, in Deutschland auf Platz zehn der umsatzträchtigsten Werbeagenturen, hat damit eine fast verlorene Position gefestigt: die der Stammagentur von Volkswagen. Das war die erste Großtat, seit die beiden im Mai den Deutschland-Ableger der zur Omnicom-Gruppe gehörenden Agentur übernahmen.

38 Jahre alt, groß, schlank, markante, runde Brille, immer im Anzug, wirkt Kröger eher wie ein Vertreter jener Tausendschaften, die in grauem Tuch Unternehmensetagen bevölkern. Das schafft Vertrauen beim Kunden, steht für Zuverlässigkeit, die etwa Burda-Geschäftsführer Phillip Welte an ihm schätzt.

Jung sieht er aus, sehr jung. Schon so mancher hat den Fehler gemacht, ihn zu unterschätzen. Mit magna cum laude absolviert er sein Examen nach neun Semestern Betriebswirtschaft am Lehrstuhl für Marketing und Handel in Göttingen. Ein Strebertyp? Das trifft es wohl nicht, urteilen seine Freunde. Zielstrebig – das trifft es schon eher.

Doch Kröger startete spät. Das Gymnasium im heimischen Oldenburg war ihm verwehrt. Fünfer zierten seine Zeugnisse, weil er lieber träumend zum Fenster hinaussah. Dieses Träumen war allerdings von einer Art, dass sein Lehrer sich geäußert haben soll: „Ich wage nicht, ihn dabei zu stören.“ Nach der Realschule wachte Kröger auf. Das Abitur sollte noch gelingen.

Im Anschluss bildeten ihn die Fernmelder der Bundeswehr zum Offizier aus. Daran denkt er heute noch, wenn mal wieder alles durcheinander läuft. Dann sieht er einen zum Manöver chaotisch verkabelten Verteilerschrank vor sich. Den Fehler lang zu suchen, dafür ist selten Zeit. Also: Alles ausstöpseln und neu verkabeln. Das hilft in allen Lebenslagen.

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