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Böse Panne

Sony muss den Start der neuen Spielekonsole verschieben – ein Rückschlag für den Chef des Elektronikriesen, Howard Stringer.

TOKIO/DÜSSELDORF. Geduld, nur Geduld, sagten sich viele Besucher – und harrten bis zum bitteren Ende aus. Doch der stämmige, weißhaarige Redner sprach im Las Vegas Hilton über manches, nur nicht über das, was die Zuhörer von Sir Howard Stringer erwartet hatten: Sie wollten Anfang Januar auf der weltgrößten Messe für Konsumelektronik in Las Vegas erfahren, wann Sony endlich seine neue Spielekonsole auf den Markt bringt – eine Antwort auf Microsofts Xbox.

Doch Stringer blieb die Antwort schuldig und übergab die Bühne lieber dem Amerika-Chef der mächtigen Tochter Sony Computer Entertainment. Der schwärmte von alten Produkten und sagte an die Adresse von Bill Gates: „Die nächste Generation (der Spielekonsolen) fängt erst an, wenn wir sagen, dass sie anfängt.“

Große Worte. Spätestens seit gestern ist klar, warum er und Sony-Chef Stringer in Las Vegas einen Bogen um das Thema machten. Es gibt technologische Probleme mit der neuen Spielekonsole. Ken Kutaragi, Chef der Videospielsparte von Sony, räumte in Tokio ein, dass Sony den weltweiten Start verschieben muss. Erst Anfang November soll das neue Gerät, der größte Gewinnbringer des Konzerns, auf den Markt kommen – sechs Monate später als geplant. „Je näher der Marktstart an das Jahresende rückt, desto stärker wird das Ergebnis belastet“, warnt Fondsmanager Taiji Yoshida von Yasuda Asset Management Co in Tokio.

Eine böse Panne für Stringer, der seit Mitte vergangenen Jahres versucht, den Elektronikriesen Sony zu sanieren. Mancher Analyst und Marktbeobachter sieht sich in seiner früheren Kritik bestätigt. Sie hatten von Anfang an Zweifel, ob der ausgebildete Historiker und Fernsehmann Stringer den Konzern auf Vordermann bringen könnte. Und ob der Waliser mit US-Pass sich gegenüber dem selbstbewussten Management in Japan durchsetzen könnte.

Bereits im vergangenen September kam es zum Eklat. Stringer kündigt ein hartes Sanierungsprogramm und den Abbau von 10 000 Stellen an. Der 64-Jährige machte klar, dass er eigentlich viel rigider hatte vorgehen wollen als seine japanischen Kollegen im Management. Aber man müsse halt Kompromisse schließen. Howard Stringer: Lost in Transition?

Sony 2006. Technologisch ist das frühere Wunderkind der Elektronikbranche nur ein Abziehbild seiner selbst, organisatorisch sind die Mauern noch immer nicht niedergerissen, welche die mächtigen Sony-Einzelgesellschaften trennen. Und das, obwohl Stringer in Las Vegas das neue Prinzip der vier Entertainmentsäulen des Konzerns vorstellte.

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