Profil: Claus-Dietrich Lahrs
Vom Directeur zum Boss

Der Dior-Manager Claus-Dietrich Lahrs wird neuer Vorstandschef des größten deutschen Modekonzerns Hugo Boss – und übernimmt damit einen Posten, der nach dem Einstieg des Investors Permira an Glanz verloren hat.

DÜSSELDORF. In Paris ist Claus-Dietrich Lahrs kein Unbekannter. Als Kaufmann hat er es in der Modemetropole so weit gebracht wie Karl Lagerfeld als Kreativer. Als Directeur Général von Christian Dior Couture führte er fünf Jahre lang einen der exklusivsten Edelschneider. Die hohe Schneiderkunst lag ihm dabei immer näher als die Mode von der Stange, die Prêt-à-porter. "Die Haute Couture ist für Dior so wichtig wie die Formel 1 für Sportwagenhersteller", sagte Lahrs einmal dem Handelsblatt.

Den schönen Künsten in Paris kehrt der 44-Jährige nun den Rücken. Seine schnöde neue Welt wird die von Hugo Boss sein, einer gut geölten Modemaschine in Metzingen. Lahrs wird zum 1. August neuer Vorstandschef. "Ich freue mich auf Hugo Boss, ich freue mich auf Deutschland", sagte Lahrs gestern nach der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung. Das Land habe sich verändert, sei offener geworden, und Hugo Boss biete als Marke weltweit Potenzial.

Der neue Boss der Bosse zu sein gilt eigentlich als Traumjob - eigentlich. Seit dem Einstieg von Permira im vergangenen Sommer ist die Handlungsfreiheit aber nicht mehr ganz so groß, wie das Wortspiel mit dem Markennamen nahelegt. Der Investor hat sich wie eine Motte im Stöffle des schwäbischen Konzerns festgefressen. Um den hohen Kaufpreis von rund 3,5 Mrd. Euro - größtenteils Kredite - zu refinanzieren, forderte Permira eine Ausschüttung von 450 Mill. Euro. Die Eigenkapitalquote reduzierte sich dadurch von 50 auf 20 Prozent. Der langjährige Vorstandschef Bruno Sälzer weigerte sich und legte im Februar sein Amt nieder. Seinem Beispiel folgte der Produktionsvorstand Werner Lackas. Und auch Aufsichtsratschef Guiseppe Vita kündigte Mitte März seinen Rücktritt zum 1. Juli an.

Das Rüstzeug zum neuen Boss hat Lahrs - auf den ersten Blick. Der gebürtige Bielefelder arbeitete schon für diverse französische Luxusmarken - neben Dior für Cartier und Louis Vuitton. Mit seiner internationalen Erfahrung, dem Händchen für die Damenmode und das margenträchtige Geschäft mit Accessoires wie Taschen bringt er genau das mit, was Hugo Boss braucht. "Eine gute Wahl", heißt es in der Branche. Als Vorteil gilt auch, dass er Deutscher ist. Die Mentalität spielt im emotionalen Modezirkus eine entscheidende Rolle. Einerseits.

Andererseits gibt es auch Zweifel, dass Lahrs der Richtige ist. Der MDax-Konzern Hugo Boss ist mit einem Jahresumsatz von 1,63 Mrd. Euro eine andere Liga als Dior Couture. Die Sparte machte 2007 einen Umsatz von 787 Mill. Euro. Bisher berichtete Lahrs zudem noch Dior-Chef Sidney Toledano. Im Geschäftsbericht von Dior taucht der Name des Deutschen nicht einmal auf. "Lahrs hat nie wirklich selbst gestaltet. Er ist ein guter Statthalter - und wird es wohl auch für Permira sein", sagt Berater Franz Maximilian Schmid-Preissler. Und dass Lahrs Paris am Ende mit zwei lachenden Augen verlassen wird, dafür spricht auch eine Personalie. Die Tochter von Bernard Arnault, dem Chef des weltgrößten Luxusgüterimperiums LVMH, zu dem auch Dior gehört, stieg im April zur Nummer zwei bei Dior Couture auf. Eine Verstärkung, die eine Schwächung für Lahrs bedeutete. Die Zahlen sprachen nicht zwingend für ihn. Dior Couture entwickelte sich unter seiner Ägide nicht überragend. Die Umsatzzuwächse und die-rendite lagen unter zehn Prozent.

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