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Der große Integrator

Bereits letzten Samstag versammelte er die Seinen um sich. Im Kasseler „Stadtpalais“ schwor Stefan Garber über 350 Führungskräfte auf den neuen Kurs ein.

BERLIN. Er beschrieb die Infrastruktur der Deutschen Bahn als „geölte Produktionsmaschine“, die Volldampf für den Börsengang bringen müsse. Er tat es in seiner gewohnt schnörkellosen Art, ohne jegliche Charts und ohne rhetorische Höhepunkte.

Ab morgen wird es dann wirklich ernst für den stämmig wirkenden 50-Jährigen: Er tritt offiziell als Chef des neu geschaffenen Vorstandsressorts Infrastruktur und Dienstleistungen der Bahn an. Damit nimmt der Mann, dessen zurückhaltende Art Mitarbeiter zuweilen als Aura der Unnahbarkeit empfinden, eine Schlüsselstellung auf dem schwierigen Weg der Teilprivatisierung der Bahn ein.

Er wird zugleich Weichensteller und Sanierer sein. Er muss seinen Bereich kompromisslos strukturieren und – mitentscheidend für die Börsenpläne seines Chefs Hartmut Mehdorn – reichlich Einsparpotenziale aufdecken. Von der Netz AG bis zu Reinigungsfirmen, von konzerneigenen Planungsingenieuren bis zur Bahnhofstochter Station und Service AG hat sich unter dem Dach der Bahn AG viel unkoordiniertes Eigenleben entwickelt. Das muss er zusammenführen und die etwa 86 000 Mitarbeiter dieser Geschäftsfelder auf Konzerndenke bringen – eine gewaltige Aufgabe.

Aber er hat darin Erfahrungen. Die bisherigen Stationen in seinen fünf Bahn-Jahren beschreibt er mit „Feuerwehreinsätzen“. Der letzte war der heikle Job, die hoch qualifizierte Truppe der Bahningenieure und die Einkäufer der Bahn zu einem Team zu verschmelzen. Die Techniker neigen dazu, für die Bahn das High-Tech-Optimum zu entwickeln und zu fordern, koste es, was es wolle. Die Kaufleute sind dem sparsamen Wirtschaften verpflichtet.

Garber löste das Problem auf die ihm eigene Weise: Pragmatisch, ohne laute Töne, aber konsequent bis hart in der Sache führte er die beiden bislang parallel funktionierenden Organisationen erfolgreich zusammen. „Er ist sehr analytisch“, beschreibt ein Betroffener, „denkt digital nach dem Motto: Es gibt immer zwei Lösungen.“ Und er neige dazu, sich in die Überlegungen seines Gesprächspartners hineinzufinden – so sehr, dass er dessen Antworten schon vorab ahnt.

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