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Der Noppen-König

Mit seiner Edelschuhmarke Tod’s erobert Diego Della Valle die Weltmärkte – und will nun vor allem in Europa und Asien zulegen.

CASETTE D'ETE. Es ist ein typisches Dorf in der italienischen Region Marken: einfache Landhäuser, umgeben von Hügeln, die von der Sonne gelb gebleicht sind. Hier, in der kleinen Dorfbar von Casette d'Ete, fühlt er sich wohl, der Mann mit dem hellbraunen, sportlich langen Haar. Hier bestellt er gerne seinen „Caffé“ und scherzt mit den anderen an der Theke.

Er ist ein echter Marchigiano. „Die Marchigiani stehen mit beiden Füßen auf dem Boden“, beschreibt Diego Della Valle die Menschen in der zentralitalienischen Region, die an die Adria grenzt. „Doch der Blick ist hinaus auf die Welt gerichtet.“ Damit beschreibt sich der Präsident des Edelschuhherstellers Tod’s vor allem selbst: Er hat den mittelständischen Betrieb seines Vaters in der Provinz zu einem weltbekannten Schuhkonzern geformt, der heute mit Hermès und Louis Vuitton konkurriert.

Inzwischen kommt mehr als die Hälfte des Umsatzes aus dem Ausland. Die Slipper mit der Noppensohle zieren die Füße von Jack Nicholson ebenso wie die von Hillary Clinton und Sharon Stone. Zum Konzern gehören auch die sportlichere Marke Hogan und die Bekleidungslinie Fay. Insgesamt steigerte Della Valle den Umsatz seit 2001 von 319 Millionen auf 573 Millionen Euro im vergangenen Jahr und auf einen Nettogewinn von 67 Millionen Euro. „In den kommenden fünf Jahren werden wir noch stärker wachsen.“

Seine internationale Strategie entwirft der Mann mit der Leidenschaft für antike Globen hier in Casette d’Ete, wenige Kilometer von seinem Geburtsort St. Elpidio entfernt, wo schon sein Großvater als Schuster arbeitete. Opas hölzerne Werkbank schmückt noch heute den Flur der Firmenzentrale, die Della Valles dritte Frau, die Architektin Barbara Pistelli, entworfen hat. Das Gebäude mit den hohen Fenstern und hellen Holz- und Steinböden beherbergt die Büros und die Schuhfabrik, die Kunstwerke von Andy Warhol und Frank Stella schmücken.

In edles Tuch gekleidet, dunkles Jackett mit hellem Einstecktuch, erläutert Della Valle in seinem lichtdurchfluteten Büro die Strategie. „Wir wollen Europa und Nordamerika weiter stärken, aber vor allem in den neuen Märkten in Asien zulegen“, sagt er. „Indien wird bald genauso schnell wachsen wie derzeit China“, ist er überzeugt. Dort gebe es immer mehr Menschen, die sich Luxus leisten könnten. „Und die wollen vor allem die großen Marken.“

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