Profil: Jeff Raikes
Bill Gates' neuer Mann für gute Zwecke

Jeff Raikes (49), bis Anfang des Jahres noch Chef eines der Kernbereiche von Microsoft, könnte ein typischer High-Tech-Frührentner sein, wenn er Ende August bei dem Softwareriesen aufhört. Doch Nichtstun schreckt ihn. Daher wird Raikes ab September die Geschicke der Bill & Melinda Gates Stiftung lenken und jährlich rund 4 Milliarden Dollar verteilen dürfen.

PORTLAND. Jeff Raikes (49), bis Anfang des Jahres noch Präsident eines der Kernbereiche von Microsoft, könnte ein typischer High-Tech-Frührentner sein. Er heuerte 1981 bei dem Softwarekonzern an, als ein Microsoft-Job noch fast automatisch Reichtum garantierte. Der stämmige Bauernsohn könnte sich auf seine fast 2 000 Hektar große Farm in seinem Heimatstaat Nebraska zurückziehen. Oder er könnte seine eigene, mit 126 Mill. Dollar bestückte Stiftung leiten, die er mit seiner Frau gründete, die er in den 80ern bei Microsoft kennenlernte.

Aber Raikes ist nicht typisch. Süßes Nichtstun schreckt ihn, und in privaten Gesprächen mit Bill und Melinda Gates entdeckte er seine Leidenschaft für Philanthropie in großem Stil. Trotz seiner langjährigen Verbindung zu Gates musste er indes zusammen mit zahlreichen anderen Kandidaten durch das Nadelöhr des Bewerbungsverfahrens. Am Ende fiel die Wahl auf ihn, obwohl er wenig Erfahrung mit der Führung einer gemeinnützigen Organisation hat. Beobachter halten dies jedoch nicht für einen Mangel. Jüngst beriefen mehrere US-Stiftungen, darunter die Ford Foundation, gestandene Manager an ihre Spitze. „Geld sinnvoll für gute Zwecke wegzugeben ist mindestens so schwierig, wie es zu verdienen“, witzelte ein Entwicklungshilfe-Experte.

Die 1997 gegründete Bill & Melinda Gates Foundation ist die mit Abstand reichste Stiftung der Welt mit einem Vermögen von 37,3 Milliarden Dollar. Sie hat sich dem Kampf gegen Krankheit und Armut in der Welt sowie der Förderung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern und der Verbesserung der Grundschulausbildung in den USA verschrieben. Im vergangenen Jahrzehnt schüttete die Stiftung rund 16 Milliarden Dollar aus. Dank einer Spende des legendären Investors und Gates-Freunds Warren Buffett, der den größten Teil seines Vermögens der Stiftung vermachte, soll der Geldsegen künftig aber deutlich kräftiger ausfallen.

Buffett legte fest, dass seine jährlichen Überweisungen – 2007 waren es 1,8 Mrd. Dollar – noch im selben Jahr ausgegeben werden müssen. Zudem müssen gemeinnützige Stiftungen nach dem US-Steuergesetz jährlich mindestens fünf Prozent ihres Vermögens ausschütten. Das bedeutet, dass die Gates-Stiftung künftig mindestens vier Milliarden Dollar jährlich einsetzen muss, gegenüber bisher rund einer Milliarde. Um dies sinnvoll bewerkstelligen zu können, zieht die Organisation in ein neues Gebäude in Seattle und will ihren Stab auf mindestens 1 000 Personen verdoppeln.

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