Profil: Mobilfunklegende Hans Snook hat eine Klinik für Diagnostik eröffnet
Der Gesundheitsapostel

Lange hat Hans Snook auf die Gelegenheit gewartet, sich seiner größten Leidenschaft neben dem Mobilfunk zu widmen – der alternativen Medizin. Der ehemalige Orange-Chef schwingt sich auch hier zum Trendsetter auf.

LONDON. Hans Snook sieht so frisch aus, als sei er gerade aus dem Urlaub zurück. In schwarzem T-Shirt und Blue Jeans, die grauen Haare locker zurückgekämmt, sitzt er in einem Café im Londoner West End und schlürft genüsslich einen Kaffee. Sein Leben ist ruhiger geworden, seitdem er vor gut zwei Jahren als Chef des Mobilfunkanbieters Orange abgetreten ist. Das entspannte Äußere des Mannes, der in der Branche als lebende Legende gilt, ist die beste Werbung für sein neues Unternehmen: eine Klinik für Gesunde, nicht für Kranke.

Lange hatte Snook auf die Gelegenheit gewartet, sich seiner größten Leidenschaft neben dem Mobilfunk zu widmen – der alternativen Medizin. Wie schon zu Orange-Zeiten, als er vor anderen im Mobiltelefon die künftige Fernbedienung des Lebens sah, schwingt sich der 55-Jährige heute zum Trendsetter auf.

„Der Gesundheitsmarkt wird sich radikal verändern, Vorsorge und alternative Medizin werden wichtiger. Da will ich dabei sein.“ Als Visionär gefällt sich Snook. Bereut hat er das Ende seiner Karriere beim britischen Mobilfunker anscheinend nicht. „Ich hatte keine Lust mehr, nachdem France Télécom Orange gekauft hatte, ich wollte etwas Neues anfangen“, sagt er und lächelt zufrieden.

Das Neue ist eine Klinik unweit des Oxford Circus in London, die aussieht wie ein Handyladen in Weiß. Lächelnde Mittzwanziger hinter einem Empfangstisch aus hellem Holz und mattem Glas, draußen ein cremefarbenes Schild mit der Aufschrift „The Diagnostic Clinic“. Behandlung gibt es hier nicht, nur Diagnose in einer Kombination aus Schulmedizin, asiatischer Heilkunst und alternativer Medizin. Das Angebot reicht vom gewöhnlichen Allergietest für 25 Pfund bis zum „integrierten VIP-Screen“ für 850 Pfund. Highlight ist die Bioresonanzmaschine, die im Körper nach den Ursachen für emotionale Ungleichgewichte sucht.

Die Patienten sollen in die Klinik kommen, bevor sie krank werden, um Risiken frühzeitig zu erkennen. „Die Gesundheit eines Unternehmens kann man jeden Monat an wenigen Kennzahlen messen, das muss beim Menschen auch möglich sein“, sinniert Snook und blickt in die Ferne. In den kommenden Jahren will er noch sechs Klinikfilialen eröffnen, vielleicht auch im Ausland.

Woher kommt Snooks Faszination für die Medizin? Nur einen Moment legt er die Stirn in Falten, dann erzählt er von seinem Großvater, dem Homöopathen, der manchmal die Großmutter hypnotisierte. In Trance konnte sie mit ausgestrecktem Arm einen vollen Eimer Wasser minutenlang halten. So beginnt Snook als Jugendlicher, Bücher über Medizin, Physik und Science-Fiction zu lesen, und erkennt: „Das Potenzial des Menschen ist weitaus größer, als Schulmediziner behaupten.“

Als er noch Orange-Manager war, ist er für sein Interesse an der Medizin und dem Fernöstlichen oft belächelt worden. Etwa wenn er die Möbel in der Londoner Zentrale von einem Feng-Shui-Berater ausrichten ließ. Oder wenn er Geschäftspartner verstörte, weil er partout lieber über asiatische Heilkunst als über Orange sprechen wollte. Seinem Erfolg tat all das keinen Abbruch. Innerhalb weniger Jahre baute er für Hutchison Whampoa in Großbritannien einen Mobilfunkanbieter mit hohem Marktanteil und begehrtem Markennamen auf. Nach mehreren Besitzerwechseln verließ er Orange im Jahr 2000 als reicher Mann. Geschätztes Vermögen: 45 Mill. Pfund.

Ex-Kollegen beschreiben ihn als Marketinggenie, als den Mann, der die tiefsten Wünsche der Kunden erahnen könne. Wer Snook erlebt, versteht das. Bei der Eröffnung seiner Klinik lobt er das wundervolle Feng Shui des Tages, und die Reporter hängen an seinen Lippen. Er hat auch keine Scheu, öffentlich über seine Erfahrungen mit Darmspülungen zu plaudern. „Die Entgiftung war so vollständig, dass ich meine Partnerin morgens küssen konnte, ohne mir vorher die Zähne zu putzen – genau wie in einem US-Film.“

Mit einem kleinen Augenzwinkern kann Snook scheinbar alles ins rechte Licht rücken – selbst die Antwort auf die Frage, warum er, der Gesundheitsunternehmer, Zigaretten raucht. Während er genüsslich an einer Silk Cut saugt, erklärt er, zum Ausgleich schlucke er jeden Tag Antioxidationsmittel. Wer Gesundheit verkaufen will, darf eben nicht jeden Spaß verteufeln.

Trotz aller Begeisterung für die Medizin ist seine Leidenschaft für den Mobilfunk geblieben. Als ihm Charles Dunstone, Chef der Mobilfunkhandelskette Carphone-Warehouse, einen Posten anbietet, kann Snook nicht ganz absagen. „Aber ich wollte nur Chairman werden, höchstens zwei Tage die Woche arbeiten“, sagt er bestimmt und stellt energisch seine Kaffeetasse ab. Einen Weg zurück ins Mobilfunk-Management gibt es für ihn nicht. Dafür genießt er sein neues Leben zu sehr.

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