Profil: Parm Sandhu, Chef des Kabelkonzerns Unity Media
Der Erfinder der Lautlos-Methode

Nur ein einziges Mal hat sich Parm Sandhu zu einer Art Pressekonferenz überreden lassen. Nachdem der bis dahin in der Öffentlichkeit völlig unbekannte Vorstandschef des Kabelkonzerns Unity Media kurz vor Weihnachten 2005 überraschend die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga erworben hatte, fragten sich Millionen von Zuschauern: Was wird aus der Bundesliga?

DÜSSELDORF. Dem öffentlichen Druck konnte sich der Unity-Chef am Ende nicht entziehen. An einen kalten Spätwintermorgen präsentierte der Manager, der im Dezember 2004 den Chefsessel von Unity übernommen hatte, am Rande in Kerpen vor drei dutzend Journalisten seine Medienvision. Das rheinländischen Städtchen liegt weit weg vom vornehmen Bad Godesberg, wo Sandhu mit seiner Frau mit seinen beiden Kindern zurückgezogen lebt. Auf Englisch erzählte der 37-Jährige damals vom Fernsehen, Telefon und Internet aus einer Hand, im Branchenslang Triple Play genannt. Und für dieses Triple Play spiele die Bundesliga eine Schlüsselrolle. Denn um Kunden von neuen Angeboten zu überzeugen, brauche man attraktive Inhalte. Doch so richtig überzeugen konnte der als kompromisslos und fordernd geltende Manager in dem hypermodernen Technikzentrum in Kerpen seine Gäste aber nicht.

Das hat sich mit dem Bündnis zwischen Unity und dem Bezahlfernsehsender Premiere jetzt geändert. Sandhu hat damit sein Meisterstück abgeliefert. Er gewährt Premiere das Recht, den Bundesligasender Arena auch ihren Satellitenkunden anzubieten. Im Gegenzug kann Unity als erster Kabelkonzern das gesamte Premiere-Programm einspeisen und so zu neuen Premiere-Abonnenten wirtschaftliche wichtige Endkundenbeziehung aufbauen. Der Kurs von Premiere explodierte. Und Premiere-Chef Georg Kofler nahm dankend die öffentlichen Ovationen entgegen.

Und Sandhu? Der Erfinder der Lautlosmethode in der Medienbranche hielt sich mal wieder zurück. „Das Ergebnis ist eine Win-Win-Situation für Arena, für Premiere und für die Kunden“, konstatiert der Kabelkonzernchef nüchtern der nur halbwegs deutsch spricht. Innerlich ist die Freude aber groß. Denn Sandhu ist mit dem Premiere-Bündnis seinem Ziel, Triple Play zum Massenmarkt zu machen, wieder ein wichtiges Stück näher gekommen.

Noch nach dem Verlust der Bundesliga-Fernsehrechte machte sich der Südtiroler Kofler, der in Verhandlungen schon mal lautstark wie einst Sowjet-Führer Chruschtschow auftritt, hinter vorgehaltener lustig bisweilen über den Briten lustig. „Früher Sandhu und Kofler haben sich am Anfang nicht gemocht. Jetzt ist das Verhältnis aber von großem Respekt geprägt“, sagt ein langjähriger Premiere-Insider. Im Gegensatz zur Diva Kofler ist Sandhu, früher Finanzmanager des US-Medienmoguls John Malone, ruhig, höflich, vorsichtig und knallhart in der Sache. Seine Unnachgiebigkeit bei der Durchsetzung von Zielen war nun offenbar die Basis für das neue Tandem im deutschen Bezahlfernsehen.

Im eigenen Konzen ist der in Birmingham geborene Sandhu nicht bei allen beliebt. Seine scharfe Konklusion „I have expected more“ gilt als gefürchtet. Wenn es um ein Ziel geht, kennt Sandhu keine Kompromisse. „Er kann ausgesprochen stur sein“, sagt einer Manager, der ihn aus Verhandlungen gut kennt. Sein Fleiß ist bei den Mitarbeitern berüchtigt. Oft ist er der erste und der letzte in der Kölner Konzernzentrale, die gegenüber dem Stadion des Bundesligisten liegt.

Im persönlichen Umgang ist der Brite charmant und weltoffen. Unter der Provinzialität seiner rheinländischen Wahlheimat leidet er. Die britische Weltmetropole London vermisst er schmerzlich.

Sandhu liebt Zahlen. Das war auch einer der Gründe weshalb der Sohn nordindischer Immigranten an der britischen Eliteuniversität Cambridge Mathematik studierte und eine Ausbildung als Wirtschaftsprüfer bei Pricewaterhouse Coopers in London macht. Das Mediengeschäft lernte er beim britischen Kabelkonzern Telewest und später bei Malones Medienkonzern Liberty Media. „Ich bewundere John Malone wegen seines tiefes Technikverständnis, seiner umfassenden Marktkenntnisse und seines Wissen über den Kapitalmarkt“, sagte Sandhu am Wochenende dem Handelsblatt.

Im Auftrag Malones versuchte er als Finanzdirektor im Frühjahr 2002 vergeblich die Kabelnetze der Deutschen Telekom für Malone zu kaufen. Die Kartellbehörden machten dem Milliardengeschäft einen Strich durch die Rechnung. Diesen Fehler will der frühere Chef des hessischen Kabelbetreibers Iesy diesmal nicht machen: „Wir haben die Transaktion mit unseren Anwälten so gut vorbereitet, dass wir keine Hindernisse beim Kartellamt erwarten.“

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