Prozess wegen Kreditbetrugs
Staatsanwalt fordert Haftstrafe für Ex-Porsche-Vorstand

Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen hat für Ex-Finanzvorstand Holger Härter böse Nachwehen. Die Staatsanwaltschaft fordert ein Jahr Haft wegen eines Vergehens im Jahr 2009.
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StuttgartIm Prozess gegen den ehemaligen Finanzchef der Porsche Holding, Holger Härter, hat die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe wegen Kreditbetrugs gefordert. Eine Geldstrafe komme bei der vorsätzlich begangenen Tat nicht in Betracht, sagte Oberstaatsanwalt Hans Richter am Dienstag vor der Stuttgarter Landgericht nach rund achtmonatiger Verhandlungsdauer in seinem Plädoyer. Härter solle wegen vorsätzlicher Täuschung der französischen Bank BNP Paribas im Zuge der Verlängerung eines fälligen Zehn-Milliarden-Kredits im Jahr 2009 zu nicht weniger als einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt werden. Die Strafe könne zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe ausgesetzt werden, als Bewährungsauflage solle eine Million Euro gezahlt werden.

Der Mitangeklagte Christian N., der damals Härters Untergebener war noch immer bei Porsche als Finanzmanager arbeitet, solle als untergeordneter Mittäter zu einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 750 Euro verurteilt werden, forderte die Staatsanwaltschaft. Die beiden Angeklagten sollen bei den Verhandlungen über den Großkredit den Netto-Liquiditätsbedarf, der sich bei der Ausübung der von Porsche gehaltenen Kaufoptionen auf VW-Stammaktien ergeben hätte, mit 4,1 Milliarden Euro um etwa 1,4 Milliarden Euro zu niedrig angegeben haben. Des Weiteren sind die Strafverfolger nach der Vernehmung zahlreicher Zeugen und Sachverständigen überzeugt, dass die beiden Angeklagten rund 45 Millionen von Porsche veräußerte Verkaufsoptionen auf Stammaktien der Volkswagen AG verschwiegen haben und damit die Bank ebenfalls falsch über das Kreditrisiko informierten.

Die beiden Angeklagten haben in dem Verfahren die Vorwürfe bestritten: Die Erklärungen gegenüber der Bank seien richtig gewesen. Der Bank, die sich mit 500 Millionen Euro an dem Milliardenkredit beteiligt hatte, sei zudem kein Schaden entstanden. Porsche arbeite mit dem Institut noch immer zusammen. Härter hatte gemeinsam mit dem ebenfalls 2009 geschassten Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking seit 2005 die Übernahme von VW betrieben. 2009 scheiterten die beiden Manager mit ihrem Plan aber an der Finanzkrise.

Die Verteidigung wird am 17. Mai ihr Plädoyer abgeben. Das Urteil in dem Verfahren (Az: 11 KLs 159 Js 77250/11) könnte Anfang Juli fallen. Kreditbetrug kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden. Einen Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen Oberstaatsanwalt Richter wegen angeblicher Vorverurteilung der Angeklagten hatte das Gericht am Vormittag abgewiesen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Prozess wegen Kreditbetrugs: Staatsanwalt fordert Haftstrafe für Ex-Porsche-Vorstand"

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  • KRITIKER AUFGEPASST! natürlich sollte oder besser muß alles in legalem rahmen verlaufen. es ist auch bekannt, daß manche manager die bodenhaftung verlieren. dem steht gegenüber: Wer war es denn, der PORSCHE aus der Odelgrube geholt hat? wer war es denn, der für einen sack voll arbeitsplätze inclusive fetter boni gesorgt hat. sogar die putzfrau (nichts gegen putzfrauen!! gerade sie schätze ich sehr!) soll bei den bonis dabei gewesen sein. sogar das land niedersachsen hat kräftig "mitgenascht"! na also! kehrt bitte auch vor der eigenen haustür! ich habe weder einen rechtsanwalt noch einen richter gesehen, der arbeitsplätze geschaffen hat. ich möchte aber nicht verschweigen, daß ich hier (Wiedeking, Härter) nicht Richter sein wollte!

  • Haben sowohl das Gericht und auch der Staatsanwalt vergessen, dass es sich hier ähnlich wie bei Höness um einen relativ bekannten Promi handelt ? Wie kann man einen solchen Mann vor Gericht stellen ? Ein betrunkener Radfahrer muss die ganze volle Härte des Gesetzes spüren, aber so ein Wohltäter ? Soll er doch einfach sagen, dass er einen dummen Fehler begangen hat, dann ist er doch aus dem Schneider !

  • Ich glaube nicht, das Wiedeking oder Härter etwas ohne Absprache mit den Besitzern von Porsche - dem Porsche-Clan und dem Piech-Clan getan haben. Der Oberstaatsanwalt bellt hier den falschen Baum an. Ich glaube auch, es geht ihm vor allem um seine Selbstdarstellung.
    Vielleicht sollte man sich jetzt man überlegen, wem Porsche und VW nun gehören, bzw. wer das Sagen hat.

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