Radikaler Abbau
Wegen leerer Läger drohen Lieferengpässe

Mit der Strategie "Cash is King" steuern Manager gegen die Krise. Lagerbestände werden heruntergefahren, Forderungen eingetrieben und Rechnungen später gezahlt. Der radikale Abbau der Bestände kann bei einem raschen Aufschwung für viele Firmen zum Problem werden.
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DÜSSELDORF. Damit aber wächst zugleich die Gefahr von Lieferengpässen, wenn die Nachfrage wieder anzieht. "Wenn jetzt ein schneller Aufschwung käme, könnte das eine oder andere Unternehmen ein Problem bekommen", warnt Christian Heiss, Partner der Beratungsfirma Oliver Wyman. Manche Unternehmen, so Heiss, hätten eine regelrechte Vollbremsung hingelegt.

Erste Anzeichen für eine Geschäftsbelebung gibt es ausgerechnet in der Automobilindustrie, die einen dramatischen Einbruch hinter sich hat. So hat der Chiphersteller und Automobilzulieferer Infineon die Kurzarbeit aufgehoben, kommt aber trotzdem kaum nach mit der Lieferung. "Manche Teile werden weltweit regelrecht gejagt", sagt Infineon-Chef Peter Bauer.

Nach Ansicht der Marktforscher von i-Suppli sind Lieferzeiten und Preise für nahezu alle elektronischen Bauteile im Automobilsektor im dritten Quartal gestiegen. Der Grund: Die Läger sind leer, aber die Zulieferer scheuen sich, in Maschinen und Personal zu investieren. "Kein Autobauer will mehr produzieren, als er verkauft - wir auch nicht", sagt ein Sprecher des Autozulieferers ZF. Lieferschwierigkeiten sehe er aber trotz Anzeichen der Erholung noch nicht.

Branchenexperten rechnen eher in den USA mit derartigen Problemen, weil dort in der Krise radikal Personal und Vorratsbestände abgebaut wurden. In Deutschland haben sich dagegen die meisten Firmen mit Kurzarbeit beholfen. Springt die Konjunktur wieder an, könne die Produktion vergleichsweise schnell hochgefahren werden, glauben viele Manager.

Doch die höhere Flexibilität hat ihren Preis: Die 180 größten kapitalmarktorientierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz rannten im ersten Halbjahr 2009 dem unerwartet heftigen Geschäftseinbruch regelrecht hinterher. Das im Nettoumlaufvermögen (Working Capital) gebundene Kapital hat sich bei den Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit mindestens 500 Mio. Euro Jahresumsatz in Relation zum Umsatz erhöht - ausgedrückt in Tagen von 55 auf 59 Tage. Das zeigen Berechnungen von REL, einer Tochter des US-Beratungsunternehmens The Hackett Group, für das Handelsblatt.

Dabei ist gerade in Zeiten, in denen der operative Cash-Flow versiegt und die Refinanzierung über Banken schwieriger wird, ein effizientes Forderungs- und Bestandsmanagement lebenswichtig. Für viele Unternehmen ist die optimale Steuerung des Nettoumlaufvermögens ein Balanceakt. Alle wollen bei einem Aufschwung mit dabei sein, und deshalb will niemand die Bilanz zu arg strapazieren. Noch vorhandene Liquiditätsreserven würden damit nicht gehoben. REL-Deutschland-Chef Bernhard Wenders hält das für eine riskante Strategie, vor allem, wenn die Krise andauert.

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  • ich habe gelernt, dass die Mehrzahl von Lager immer noch "Lager" heißt...

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