Rainer Hauser
Banker ohne eigenes Depot-Konto

Ein Autoverkäufer, der selbst privat kein Auto fährt, würde vielleicht ein Problem mit seinem Arbeitgeber bekommen. Rainer Hauser, der neue Privatkunden-Vorstand der Bank Austria in Wien, macht selbst einen großen Bogen um bestimmte Finanzprodukte und klettert die Karriereleiter trotzdem nach oben. Poträt eines Deutschen, der in Wien sein Glück versucht.

WIEN. Er hat seit bald zehn Jahren kein eigenes Wertpapier-Depot mehr. Stattdessen legt er sein Geld lieber in Bausparverträgen und Immobilien an. "Das passt besser zu meinem Risikoprofil", sagt er zu seinem persönlichen Anlageverhalten.

Größere Risikobereitschaft zeigt er immerhin im Beruf. Vor ein paar Wochen hat der 42-Jährige seine Koffer in München gepackt und den Wechsel von der Hypo-Vereinsbank zur Konzernschwester Bank Austria gewagt. Im Herbst kommt die Familie nach, dann ist der Karrieresprung auch privat abgeschlossen. In München galt der Badener als fähiger Manager der zweiten Reihe, in Wien hat er den Sprung in den Vorstand geschafft. Und wenn er das Privatkundengeschäft in Österreich während der nächsten Jahre erfolgreich führt, stehen ihm im Unicredit-Konzern wahrscheinlich alle Türen offen.

In Wien wartet allerdings keine einfache Aufgabe auf ihn. Wie in Deutschland gilt auch Österreichs Bankenmarkt als übersättigt, die großen Spieler der Branche wetteifern um jeden Kunden.

Und die Bank Austria kämpft im Moment zusätzlich mit Imageproblemen, bestätigen Insider in Wien. Das größte Geldhaus des Landes war an der kleinen Bank Medici beteiligt, die reichen Österreichern die vermeintlich sicheren Produkte des US-Finanzjongleurs Madoff verkaufte, der gerade wegen eines 50-Mrd.-Dollar-Schneeballsystems zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde. Auch sonst sorgt die Bank Austria für Schlagzeilen: Erst am Dienstag gab es Hausdurchsuchungen, weil Bankmitarbeiter zweifelhafte Anlagegeschäfte betrieben haben sollen - nicht unbedingt die besten Startbedingungen für den Neuen aus Deutschland.

Andererseits verfügt die Bank Austria als größtes Geldhaus des Landes über eine immense Marktmacht: Etwa 1,8 Millionen Menschen vertrauen auf die Dienste des Marktführers. Aus dieser Position der Stärke heraus sollte Rainer Hauser einiges bewegen können.

Er verspricht alles zu tun, damit Bank-Austria-Mitarbeiter nicht mit Drückerkolonnen verwechselt werden. Die Produkte der Bank sollen auf Basis der echten Kosten angeboten und nicht verschleudert werden. "Mögen wir am Ende auch teuer sein", erläutert er die Strategie. "Ich kann Quersubventionierung nicht leiden", sagt er mit Entschiedenheit.

Hauser will die Beratung bei der Bank Austria stärken und so neues Kundenvertrauen aufbauen. Andererseits muss der neue Privatkunden-Vorstand natürlich aufpassen, dass ihm die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Deshalb will er das Automatengeschäft ausbauen: Routinearbeiten wie etwa die Geldeinzahlung sollen bei der Bank Austria künftig verstärkt die Maschinen übernehmen. Im Unterschied zu anderen Ländern wie etwa der Schweiz gebe es in Österreich noch Nachholbedarf im Einsatz von Automaten.

Seinen Mitarbeitern verspricht Hauser das Prinzip der "langen Leine". Außerdem will er deutsche Überheblichkeit gegenüber seinen österreichischen Kollegen vermeiden. Aber seitdem die italienische Unicredit und nicht mehr die deutsche Hypo-Vereinsbank in Wien das Sagen hat, ist diese Gefahr wahrscheinlich sowieso deutlich geringer geworden.

Kurzvita

1967: Rainer Hauser wird am 23. März in Radolfzell geboren.

1986: Banklehre bei der Sparkasse Radolfzell, danach BWL-Studium an der Universität Saarbrücken

1993: Diplom, Berufsstart bei der Unternehmensberatung Kienbaum in Düsseldorf

1996: Promotion an der Universität St. Gallen, danach Wechsel zur Unternehmensberatung McKinsey in der Schweiz und in den USA

2000: Wechsel als Geschäftsführer zur Hypo-Vereinsbank-Tochter Financial Markets Service Bank

2004: Zusätzlich leitet er Treasury & Securities bei der Bank Austria

2006: Wechsel zur Vereinsbank Victoria Bauspar AG

2008: Leiter Immobilienfinanzierung bei der Hypo in München

2009: Vorstandsmitglied der Bank Austria

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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