Reisekonzern-Chefin
„Meine Arbeit bei Thomas Cook ist getan“

Überraschender Führungswechsel: Vorstandsmitglied Peter Fankhauser soll Thomas Cook-Chefin Harriet Green ersetzen. Gleichzeitig warnt der Konzern, das Wachstumstempo werde wohl im neuen Geschäftsjahr sinken.
  • 0

LondonHarriet Green tritt nach nur zwei Jahren an der Spitze des Reisekonzerns Thomas Cook zurück. Der bisherige Leiter des Tagesgeschäfts, Peter Fankhauser, übernimmt mit sofortiger Wirkung die Unternehmensführung, wie Europas zweitgrößter Reiseveranstalter (Neckermann Reisen, Condor) am Mittwoch im englischen Peterborough mitteilte.

„Es war eine einhellige Entscheidung“, sagte Verwaltungsratschef Frank Meysman. Auch Green sei damit einverstanden. Nach der Managerin mit ihrem frischen Blick von außen brauche es nun einen erfahrenen Reisefachmann an der Konzernspitze. „Ich habe immer gesagt, dass ich mich einem anderen Unternehmen mit neuen Herausforderungen zuwenden werde, sobald meine Arbeit getan ist. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen“, sagte Green. Sie wünsche dem nun wieder frischen Unternehmen weiterhin Erfolg.

Die Thomas-Cook-Aktie reagierte allerdings zunächst mit einem Kurssturz. Kurz nach Handelsbeginn verlor das Papier an der Londoner Börse 20 Prozent an Wert. Green hatte den Chefposten vor zwei Jahren in der schwersten Krise des Unternehmens übernommen. Wegen der Umstürze in den arabischen Ländern und einer rückläufigen Nachfrage auf dem Heimatmarkt Großbritannien war Thomas Cook beinahe pleite gegangen. Zuvor hatte sie den Elektronikgroßhändler Premier Farnell geführt. Dem Reiseveranstalter verordnete sie einen harten Sanierungskurs. An der Börse stieg der Wert von Thomas Cook seit ihrem Antritt von 148 Millionen auf knapp zwei Milliarden britische Pfund (2,5 Milliarden Euro). „Harriet hatte einen äußerst positiven Einfluss auf das Unternehmen“, sagte Meysman.

Ihrem Nachfolger Fankhauser geht es nun „um die Umsetzung und darum, zu liefern“, wie er in einer Telefonkonferenz sagte. Der 54-jährige Schweizer hat bereits die deutsche Konzerntochter Thomas Cook mit Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute und der Fluglinie Condor zum Erfolg geführt. Danach brachte er zusätzlich die angeschlagene Großbritannien-Sparte auf Kurs. Vor einem Jahr übertrug ihm der Verwaltungsrat die Führung des kompletten Tagesgeschäfts im Konzern.

Der Konzern verkündete Greens Abschied anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz 2013/2014, derzufolge die Verluste weiter zurückgefahren werden konnten. Gleichzeitig verwies das Unternehmen allerdings auf das wieder schwieriger gewordene Geschäftsumfeld.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/2014 (30. September) steigerte Thomas Cook seinen um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn um 23 Prozent auf 323 Millionen britische Pfund. Allerdings steckte der Tui-Konkurrent unter dem Strich weiterhin in den roten Zahlen. Der Nettoverlust halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu auf 118 Millionen Pfund.

Der Umsatz schrumpfte um acht Prozent auf 8,6 Milliarden Pfund, nachdem sich Thomas Cook von Geschäftsbereichen getrennt und viele Billigreisen aus dem Programm genommen hatte. Zudem zogen ungünstige Währungskurse und die schwache Nachfrage nach Ägypten-Reisen die Erlöse nach unten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Reisekonzern-Chefin: „Meine Arbeit bei Thomas Cook ist getan“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%