Roboterhersteller Kuka
Rolf Bartke: Bei Geld hört die Freundschaft auf

Bei Geld hört die Freundschaft auf, besonders, wenn es um Millionen geht. Es ist keine fünf Monate her, da planten Kuka-Aufsichtsratschef Rolf Bartke und US-Investor Guy Wyser-Pratte noch einen gemeinsamen Abwehrkampf. Doch zwischenzeitlich hat Wyser-Pratte die Seiten gewechselt und Bartke erlebt sein blaues Wunder.

DÜSSELDORF. Ein Widersacher aus der schwäbischen Provinz steht vor den Toren des Augsburger Roboterherstellers Kuka. Aufsichtsratschef Bartke und Zehn-Prozent-Aktionär Wyser-Pratte beladen die Katapulte und kochen das Pech. Juristen werden angeheuert, PR-Leute engagiert. Grenzebach, der neue Großaktionär, soll sein blaues Wunder erleben.

Doch nun ist es allein Bartke, der ein unangenehmes Erlebnis hat. Wyser-Pratte steht plötzlich auf der anderen Seite der Gefechtslinie –und hinterlässt zum Abschied auch noch einen vergifteten Rat. „Die staatsmännische Entscheidung für Dr. Bartke wäre jetzt, sein Amt niederzulegen und die unnötigen Kosten einer außerordentlichen Hauptversammlung zu vermeiden“, sagt Wyser-Pratte. „Trotz meiner persönlichen Wertschätzung für Dr. Bartke meine ich: Es ist Zeit für eine Veränderung bei Kuka. Wir brauchen jetzt Macher, keine Verwalter.“

Tiefer hätte Wyser-Pratte den Schlag nicht ansetzen können. Seine Kritik an Bartke gleicht bis aufs Wort derjenigen von Grenzebach, dem Maschinenbauer und langjährigen Kunden von Kuka, der nun 29,2 Prozent an dem Roboterhersteller hält. Untätigkeit wirft Grenzebach-Chef Bernd Minning dem Kuka-Aufsichtsratschef vor und hat einen Antrag auf eine außerordentliche Hauptversammlung gestellt. Dort soll Bartke abgewählt werden, danach will Grenzebach den Vorstand auswechseln.

Wenn Rolf Bartke über die Ereignisse der vergangenen Monate spricht, dann mit unverhohlener Empörung. Er, der langjährige Daimler-Manager, soll untätig gewesen sein? Er spricht es nicht aus, aber im Raum steht die Frage doch: Was bildet sich dieser Winzling aus Schwaben mit seinen 300 Millionen Umsatz eigentlich ein? Bartke trug Verantwortung für Milliarden und hat nach eigener Meinung auch bei Kuka einen klasse Kontrolljob gemacht. „Unverschämt“, nennt er die Angriffe von Grenzebach. Und das Schlimmste: „Die falschen Behauptungen von Grenzebach sind geeignet, meine Integrität infrage zu stellen.“

Damit ist es angesprochen, das verletzte Ego. Der Streit bei Kuka dreht sich nicht nur um Zahlen. Natürlich: Kuka ist von der Automobilkrise schwer getroffen und schreibt Verluste. Das Unternehmen braucht dringend frisches Kapital. Aber solche Sorgen haben viele. Das Problem bei Kuka: Grenzebach, der Großaktionär, der immerhin 90 Millionen Euro in Kuka investiert hat, wird von Vorstand und Aufsichtsrat unterschätzt.

„Die Herren da oben nehmen Grenzebach doch nicht ernst“, sagt ein Kuka-Manager. Die Herren, das ist neben Bartke etwa Horst Kayser, der von Siemens zu Kuka kam. Für sie agiert Grenzebach nicht auf Augenhöhe. Auch der Ex-Bosch-Manager Reiner Beutel, der von Wyser-Pratte in den Aufsichtsrat entsandt wurde, hält die Grenzebach-Truppe für allenfalls drittklassig. „Wenn die Grenzebachs nicht im Raum sind, wird gelästert, was das Zeug hält“, sagt ein Sitzungsteilnehmer.

Seite 1:

Rolf Bartke: Bei Geld hört die Freundschaft auf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%