Rod Eddington muss neue Streiks verhindern
Turbulente Zeiten für den Chefpiloten von BA

Gestern war Rod Eddington mal wieder als Krisenmanager gefragt, wie so oft in seiner nunmehr dreijährigen Amtszeit. Der CEO der Fluggesellschaft British Airways (BA) traf sich mit den Spitzenvertretern von gleich drei Gewerkschaften.

LONDON. Sein Ziel: Er muss einen neuerlichen Streik seiner Angestellten unbedingt verhindern. Erst am vorvergangenen Wochenende, der ersten großen Reisewelle dieses Sommers, war das Abfertigungspersonal am Londoner Flughafen Heathrow zwei Tage lang in den Ausstand getreten. Der Streit entzündete sich an der Einführung eines neuen Zeiterfassungssystems für die BA-Angestellten.

Mehr als 80 000 Reisende kamen zum Teil um Tage verspätet zu ihren Zielen, der Kundenservice war wenig mehr als ein Fiasko, und die Schätzungen über mögliche Verluste bei der einst staatlichen Fluggesellschaft steigerten sich fast täglich. Derzeit werden sie mit 50 Millionen Pfund beziffert, gut 70 Millionen Euro.

Kein Wunder, dass der sonst als moderat und zurückhaltend geltende Eddington diesmal schon im Vorfeld der Gespräche klar machte, wie hoch der Einsatz ist: „Wir können uns einen weiteren Ausstand nicht leisten.“ Sonst sei mittelfristig gar die Existenz der gesamten Firma bedroht.

Chefpilot Eddington befindet sich in turbulenten Zeiten. Nicht nur, dass der BA-Boss seinen eigenen Urlaub wegen des Streikdesasters absagen musste, am Donnerstag wird der CEO wohl auch noch eines der schlechtesten ersten Quartale in der Firmengeschichte verkünden müssen. Die Lungenseuche SARS, der Irak-Krieg und die schwache US-Wirtschaft dürften das Minus auf 60 Millionen Pfund treiben, so die Schätzungen der Analysten.

Dabei wähnte sich der Vorstandschef noch vor einiger Zeit wegen seines schon vor dem 11. September gestarteten „Future Size and Shape Programme“ auf einem guten Weg. Seitdem stellt die Airline konsequent Verlust bringende Routen ein, baut nach und nach 13 000 Arbeitsplätze ab und müht sich um weitere Einsparungen in Milliardenhöhe.

Seiner Reputation in der Branche hat das Programm geholfen, doch intern kommt der 53-jährige Australier nicht wirklich weiter. Während der derzeitigen Krise droht nun sein sorgsam gepflegtes Image als guter Kommunikator zu leiden, als der er im April 2000 die Nachfolge von Robert Ayling angetreten hatte.

Doch Eddington ist hart im Nehmen. Seine Grundschulzeit verbrachte er im australischen Busch. Dem Studium an der Universität von Westaustralien schloss er eine Ausbildung im englischen Oxford an. Nach einer einjährigen Dozententätigkeit Ende der 70er-Jahre verbrachte Eddington sein ganzes Berufsleben in der Luftfahrtindustrie. Als Trainee bei der Swire Group gestartet, zog er als Sales Manager für Cathay Pacific nach Japan. 1996 wechselte er als Chairman zu Ansett Australia, die er vier Jahre später – noch vor der Pleite – wieder verließ.

Privat ist er nach eigener Auskunft nicht annähernd so risikofreudig wie im Beruf. Seine Frau Young Sook heiratete der Vater zweier Kinder erst im Alter von 44 Jahren. Lange Zeit, sagte er, sei er schlicht ein „Feigling“ gewesen. Wann immer er über eine Hochzeit nachgedacht habe, sei er davongelaufen.

Beruflich kann er sich ein Zurückweichen nicht leisten – schon gar nicht diese Woche.

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