Rolf Pohlig
Der ungeliebte Vertreter

Rolf Pohlig soll bis Ende November für seinen erkrankten Chef Jürgen Großmann den Energiekonzern RWE leiten – dabei ist das Verhältnis der zwei Manager gespannt. Schon lange duldet Großmann seinen Finanzvorstand mehr, als dass er ihn schätzt.
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DÜSSELDORF. Eigentlich ist es Routine. Am Donnerstag wird Rolf Pohlig wieder Journalisten und Analysten die Quartalszahlen von RWE präsentieren. Gewohnt sachlich und kenntnisreich. Das ist schließlich seine Aufgabe als Finanzvorstand des Energiekonzerns. Und dass er das allein macht, ist auch nicht ungewöhnlich. Im Frühjahr und Herbst überlässt RWE-Chef Jürgen Großmann traditionell seinem Finanzexperten die dröge Aufgabe, nur bei der Halbjahres- und der Jahresbilanz sitzt er direkt dabei.

Doch dieses Mal ist dem unauffälligen 57-Jährigen mehr Aufmerksamkeit gewiss. Zurzeit steht der promovierte Wirtschaftswissenschaftler selbst an der Spitze des Energiekonzerns - wenn auch nur kommissarisch. Seinem Chef wurde vom Arzt eine Zwangspause verordnet. Eine "Vorsichtsmaßnahme", heißt es im Konzern. Die Arbeit, der ausschweifende Lebensstil des charismatischen Managers und Unternehmers - und zuletzt die Verhandlungen über die Zukunft der Kernenergie waren wohl auf Dauer zu viel. "Ich bin seit 30 Jahren im Beruf und habe noch nie unter solch einem Stress gestanden wie vor der Laufzeitverlängerung", erklärte Großmann in deren Verlauf selbst. Bis Ende November soll sich der 58-jährige Großmann schonen - und Pohlig ist laut Geschäftsordnung sein Stellvertreter.

So weit, so gut. Pikant ist die Personalie, weil Großmann nicht viel von Pohlig hält. Schon lange duldet er seinen Finanzvorstand mehr, als dass er ihn schätzt. Und so poltrig wie Großmann häufig auftritt, macht er aus seiner Abneigung gegenüber Pohlig auch keinen Hehl, Pohlig und seine Umwelt lässt er regelmäßig spüren, was er von seinem obersten Finanzmann hält: nicht viel. Die Abneigung ist dabei eigentlich unbegründet. Denn Pohlig hat nie Chef-Ambitionen gezeigt oder gar an seinem Stuhl gesägt.

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