Schweizer Großbank
UBS hat neuen Chef für die Investmentbank

Der von Morgan Stanley kommende Norweger Jerker Johansson wird Chef der von Subprime-Verlusten geschüttelten Investment Bank der Schweizer UBS. Damit hat der größte Vermögensverwalter der Welt den wohl heißesten Stuhl in seiner operativen Konzernleitung wieder besetzt. Allerdings hat die UBS damit nur die zweitwichtigste Personalfrage gelöst.

HB ZÜRICH. Johansson wird nach weiteren Angaben vom Mittwoch seine neue Stelle am 17. März antreten und in London stationiert sein. Er war 22 Jahre bei der amerikanischen Investmentbank, wo er überwiegend im Aktiengeschäft tätig war und zuletzt als Vice Chairman Europe amtierte. Konzernchef Marcel Rohner, der den Bereich der Großbank nach dem Rücktritt von Huw Jenkins im Oktober 2007 zusätzlich übernommen hatte, kann sich nun wieder voll auf seine erste Aufgabe konzentrieren.

Johansson übernimmt keine einfache Position. Die UBS-Investmentbank hat nach dem missglückten Ausflug in das Geschäft mit amerikanischen Ramschhypotheken im Bereich Fixed Income mehr als 20 Mrd. Franken abschreiben müssen und sitzt immer noch auf wackeligen Positionen, die sich Ende November auf rund 29 Mrd. Dollar oder rund 32 Mrd. Franken beliefen. Die Positionen werden in eine spezielle Abwicklungsgesellschaft eingebracht. Und UBS wird zum ersten Mal in ihrer zehnjährigen Geschichte einen Verlust ausweisen.

Zugleich muss Johansson eine neue Strategie implementieren, die Rohner Mitte Januar in einem dann öffentlich gewordenen Brief an die Mitarbeiter skizziert hatte und die darauf hinausläuft, dass sich die rund 22 000 Mitarbeiter zählende Investmentbank auf Kundengeschäfte konzentriert und weitgehend auf Eigenhandel vor allem im Zinsbereich verzichtet. Möglicherweise muss Johansson auch Arbeitsplätze abbauen und mit Sicherheit muss er dafür sorgen, dass Kunden an die langfristige Zukunft der UBS-Investmentbank glauben.

In der UBS-Mitteilung vom Mittwoch deutete Rohner die Richtung noch einmal an. Johansson habe die Fähigkeit und die Erfahrung um die führende kundengetriebene Investmentbank der Welt aufzubauen.

Allerdings hat die UBS damit nur die zweitwichtigste Personalfrage gelöst. In Schweizer Medien ist häufiger der Rufe zu vernehmen, UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel solle seinen Stuhl räumen. Die „Neue Zürcher Zeitung“, die als Sprachrohr der Schweizer Wirtschaftselite gilt, legte Ospel am vergangenen Wochenende in einem Kommentar angesichts der angeschlagenen Reputation der Bank den Abgang nahe. Ospels Amtszeit läuft an der ordentlichen Generalversammlung vom 23. April ab und es bleibt abzuwarten, ob er bei seiner Absicht bleibt, sich wieder - und wieder für eine volle Amtszeit - zur Wahl zu stellen. UBS hat das Problem, dass sich aus dem gegenwärtigen Verwaltungsrat mangels Bankerfahrung niemand für die Ospel-Nachfolge aufdrängt.

Weiter teilte UBS mit, die Konzernleitung werde verstärkt. Neben Johansson sollen auch Robert Wolf, Alexander Wilmot-Siwell und Marten Hoerkstra in das Gremium berufen werden.

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