Sean Fitzpatrick
Der irische Buhmann

Sean Fitzpatrick führte die Anglo Irish Bank quasi als Alleinherrscher und brachte sie mit wilden Spekulationen an den Rand der Pleite. Der Staat musste Milliarden in die Bank pumpen, die nun das gesamte Land zu ruinieren droht. Wie Fitzpatrick beim irischen Institut pokerte, trickste - und verlor.
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LONDON. Sean Fitzpatrick ist ein armer Mann, zumindest auf dem Papier. Im vergangenen Sommer meldete der ehemalige Chairman der Anglo Irish Bank Privatinsolvenz an, weil er einen Schuldenberg von 145 Mio. Euro angehäuft hat, das meiste Geld schuldet er seinem ehemaligen Arbeitgeber.

Ein persönliches Finanzproblem im dreistelligen Millionenbereich ist sicher keine leichte Bürde für einen 62-Jährigen, aber verglichen mit den Summen, die Fitzpatricks Skandalbank die irischen Steuerzahler kostet, sind die 145 Mio. Pfund eine vernachlässigbare Größe.

23 Mrd. Pfund musste Finanzminister Brian Lenihan bislang in die Rettung von Anglo Irish pumpen, am Ende wird die Rechnung für das 2009 vollständig verstaatlichte Institut wohl auf rund 30 Mrd. Euro steigen. Grund genug für die Investoren am Anleihemarkt, schon einmal den Staatsbankrott Irlands durchzuspielen. Die Bank, die Fitzpatrick quasi als Alleinherrscher führte, droht das gesamte Land zu ruinieren.

Das kleine Institut spielte plötzlich bei den Großen mit

Im zarten Alter von 26 Jahren stieg Fitzpatrick bei Anglo ein, als er 1986 die Führung des Provinzinstituts übernahm, war er gerade einmal 38 Jahre alt. 42 Mio. Euro Gewinn macht Anglo Irish damals, 2007 kurz vor dem Kollaps waren es 1,2 Mrd. Euro. Mit einer stolzen Eigenkapitalrendite von 30 Prozent spielte das kleine irische Institut plötzlich im Konzert der ganz Großen mit.

Fitzpatricks Erfolgsrezept war simpel: Der ebenso ehrgeizige wie charmante Banker öffnete hemmungslos die Kreditschleusen und finanzierte mit vollen Händen den Bau- und Immobilienboom der irischen Tigerjahre. Den Großteil ihrer Geschäfte machte die Bank mit einer kleinen Gruppe von Baulöwen und Spekulanten, die Fitzpatrick den "golden circle" nennt.

Der irische Volkswirt David MacWilliams beschrieb Anglo Irish bereits 2006 als "Hedge-Fonds, der das Geld der Sparer für Wetten auf überbewertete Immobilien einsetzt". Damit unterschied sich Anglo Irish allerdings nicht so sehr von den anderen großen irischen Banken. Als die weltweite Finanzkrise die gigantische Immobilienblase zum Platzten brachte, gerieten auch die Bank of Ireland und Allied Irish Banks in Not und mussten von der Regierung gerettet werden.

Bilanzen manipuliert

Einen Unterschied gab es aber doch: Nur Fitzpatricks Bank trickste und manipulierte ihre Bilanzen. Kurz bevor der Chairman endgültig aus dem Amt gejagt wurde, gestand er, dass er sich von der eigenen Bank 84 Mio. Euro geliehen hatte. Diesen Kredit hat er jahrelang kurz vor dem Bilanzstichtag mit von anderen Banken geliehenem Geld abgelöst, so dass das Darlehen nicht in den Jahresberichten auftauchte.

Nach dem gleichen Muster versuchte das Management, die Finanzprobleme der gesamten Bank zu verschleiern. Anglo Irish überredete die Versicherungsgesellschaft Irish Life & Permanent, kurz vor dem Bilanzstichtag am 30. September 2008 rund 7,5 Mrd. Euro auf Konten der Bank zu deponieren. Einen Tag später hob Irish Life das Geld wieder ab.

Im vergangenen Jahr wurde Fitzpatrick wegen seiner Rolle bei den dubiosen Geschäften kurzfristig verhaftet. Immer noch ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Einst saß der Banker im Aufsichtsrat der führenden irischen Unternehmen und galt als Doyen der Dubliner Society. Heute ist er die verhasste Symbolfigur für die irische Misere.

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  • Guter Artikel, aber man sollte hinzufügen das die Anglo Irish Bank auch ein besonders inniges Verhältnis zur Regierungspartei Fianna Fail pflegte. Der Korruptionssumpf, Vetternwirtschaft und staatlich geförderte Steuerhinterziehung sind der Grund für die enormen Schulden in Irland. Die irische Regierung wird alles daran setzen wie im Fall der Dubliner Depfa Bank die irischen Schulden wieder auf den deutschen Steuerzahler abzuwälzen.

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