Serie: Familienbande
Der Unerschütterliche

Albrecht Woeste steuert im Hintergrund die Geschicke beim Waschmittelriesen Henkel. Für 2009 kündigt der 69-Jährige seinen Rückzug an.

DÜSSELDORF. Der große Raum mit der milchig-weißen Glasdecke hat etwas von der Empfangshalle einer Privatbank: altmodisch, gediegen, luxuriös. Ganz vorne in der Ecke steht dezent ein Schreibtisch. Dahinter sitzt ein Herr im dunklen Anzug. Der Besucher stellt sich kurz vor. "Sie wollen sicherlich zum Chef", schließt der Pförtner schnell und greift zum Telefonhörer.

Chef? Er meint nicht etwa Ulrich Lehner, den Mann an der Spitze des Henkel-Konzerns. Nein, er meint Albrecht Woeste, einen Herrn, der in der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Der residiert im alten Hauptgebäude hinter einer mit dunkelbraunem Leder verkleideten Tür. Auf der prangt in verchromten Buchstaben sein Name.

Woeste, groß gewachsen und mit kräftigem Händedruck, ist der mächtigste Mann im Düsseldorfer Waschmittel- ("Persil", "Weißer Riese"), Klebstoff- ("Pattex", "Pritt") und Kosmetikkonzern ("Schauma", "Fa"). Der 69-Jährige mit den markanten Gesichtszügen ist nicht nur Vorsitzender des Aufsichtsrats von Henkel, sondern auch Chef des wichtigen Gesellschafterausschusses. Da sind die Interessen der Familie Henkel gebündelt. Er bestellt die Geschäftsführung, kontrolliert sie und ist an strategisch wichtigen Entscheidungen beteiligt.

Der oberste Kopf der Familie Henkel ist ein Mann mit langem Atem. "Wissen Sie, an einzelnen Quartalszahlen bin ich nicht so sehr interessiert. Für mich ist wichtiger, dass das Unternehmen langfristig solide aufgestellt ist." In den letzten 15 Jahren, seit er an der Spitze der beiden Kontrollgremien steht, war das wohl der Fall. "Der Gewinn ist jedes Jahr gestiegen", erzählt er stolz.

Das Familienoberhaupt, das Mitarbeiter "einen der schnellsten Denker im Hause" nennen, ist großer Geschichtsfan. Tief beeindruckt, erzählt er von einem China-Besuch, bei dem er den Sohn des letzten Kaisers traf. Der schenkte ihm eine Kalligrafie, die neben Woestes Schreibtisch hängt. Da geht es um die "Ehrfurcht vor der Geschichte" als "Grundlage jedes Menschseins".

Er ist stolz darauf, dass "in fast 130 Jahren Firmengeschichte insgesamt nur fünf Männer an der Spitze von Henkel standen". Er selbst ist die Nummer fünf aus der Familie nach Konrad Henkel. Während der noch das operative Geschäft leitete, wirkt Woeste im Hintergrund und überlässt das Tagesgeschäft dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Ulrich Lehner, und dessen Kollegen.

Und wie lange wird Woeste, der am 30. Oktober seinen 70. Geburtstag feiert, noch seine Aufgaben wahrnehmen? "Ich werde es nicht mehr bis 75 machen, das habe ich mir geschworen", sagt er, während er entspannt zurückgelehnt sitzt, den rechten Arm über der Stuhllehne, was seine rechte Hand nicht daran hindert, die Worte mit großen Gesten zu unterstreichen.

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