Serie: Generation Zukunft
Heile Welt am Berner Tropf

Der Beruf des Landwirts ist für junge Menschen nicht sonderlich attraktiv. Die Schweizerin Susanne Gerber will dennoch diesen Weg einschlagen und den elterlichen Hof übernehmen – auch wenn Landwirte bald wohl weniger Geld vom Staat bekommen.

ZÜRICH. Wie sie da mit Ilona schmust, erfüllt sie alle Klischees: Susanne Gerber hat ein bisschen was von einer blonden „Heidi“, wenn sie auf den hügeligen Wiesen des elterlichen Hofes bei Zürich ihr graues Lieblingskalb tätschelt, während der Großpapa das Holz stapelt: 19 Jahre, mittellanges Haar und manchmal vom Arbeiten leicht gerötete Wangen. Die Augen strahlen, wenn sie von ihren Plänen berichtet: Nächsten Monat beginnt die gelernte Köchin ihre zweite Ausbildung – zur Landwirtin. Irgendwann will sie den Hof übernehmen. Der Vater freut sich: „Er hat es schon den Kühen erzählt“, sagt die Tochter.

Die Kühe und ihre Milch sind die Haupteinnahmequelle der Familie. Bis zu 85 Rappen erhalten die Gerbers pro Liter, knapp 55 Cent. Von den rund 60 000 bewirtschafteten Bauernhöfen in der Schweiz lebt etwa die Hälfte vom Milchverkauf – und jeder Tropfen ist hochsubventioniert. Zählt man das Geld, das vom Staat an die Landwirte fließt, steht die Schweiz im OECD-Vergleich an vierter Stelle. 68 Prozent des Einkommens der eidgenössischen Bauern stammen aus dem Subventionstopf in Bern.

Das lässt sich in der direkten Schweizer Demokratie nur durchhalten, weil eine Mehrheit der Wähler zu den Landwirten hält. Allerdings häufen sich die kritischen Stimmen: „Der Schweizer Staat investiert mehr in seine Kühe als in seine Schüler“, sagt etwa Elisabeth Zölch. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin im Kanton Bern fordert, die Gewichte anders zu verteilen. Setzt sich ihre Meinung durch, wird Susanne Gerber in Zukunft nicht mehr so wirtschaften können wie schon ihr Großvater, der einst das Bauernhaus mit dem weit überragenden Holzdach gekauft hat.

Großbauern waren die Gerbers nie. Mit ihren 21 Hektar Land, die sie bewirtschaften, führen sie für eidgenössische Verhältnisse einen mittelgroßen Betrieb – eher ein paar Quadratmeter unter der Durchschnittsgröße. 300 Liter Milch fließen täglich in den Tank neben dem Stall, während Susannes Vater mit dem festgeschnallten Melkschemel seiner Arbeit nachgeht. Die Eier von 25 Hühnern verkauft die Familie direkt vom Hof, genauso wie die Kartoffeln. Früher haben sie auch den Dorfwirt vom Restaurant „Löwen“ nebenan beliefert. Doch der deckt sich inzwischen anderswo ein.

Die fünfköpfige Familie hilft, wo sie kann. Einen Knecht oder eine Magd brauchen die Gerbers nicht. „Wir fahren ja auch nicht einmal im Jahr nach Gran Canaria“, sagt die Nachwuchsbäuerin. Eine Woche Sportferien, drei bis vier Tage zum Klettern in die Berge – das reicht im Jahr an Urlaub. Susanne war überhaupt erst einmal in ihrem Leben im Ausland, damals mit dem Jodlerclub des Vaters in Tschechien. Nach Norwegen würde sie gerne einmal fahren. Und sie hofft, dass während der Landwirtschaftslehre noch Zeit für solche Träume sein wird.

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