Siemens-Chef Peter Löscher
Ein Mann, zwei Tests

Ein Jahr ist Siemens-Chef Peter Löscher im Amt. Gründlich aufgeräumt hat er, manche kaltgestellt, viele überzeugt. Um aber zu beweisen, dass er Siemens auch langfristig guttut, muss er erst die Krisen meistern, die gerade erst beginnen: den Stellenabbau und den Konjunkturabschwung.

LONDON/MÜNCHEN. In Momenten radikaler Veränderung hilft es, die ruhmreiche Vergangenheit zu beschwören. Tradition verbindet gestern mit morgen. Und sie vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, von Geborgenheit. Einen solchen Wohlfühlvermittler kann Peter Löscher dieser Tage sehr gut gebrauchen.

Also steht der Vorstandsvorsitzende von Siemens unter barocken Fresken in der "Painted Hall" des altehrwürdigen Royal Naval College zu London. Fast 300 Jahre alt ist die Halle, genau die richtige Kulisse für Löschers Botschaft. Wie immer steht er mit kerzengeradem Rücken da, nur Kopf und Arme bewegen sich gelegentlich. Ein spektakulärer Redner ist der 50-Jährige ja nicht, Selbstdarstellung liegt ihm nicht recht.

Doch auf die Botschaft kommt es an - und die findet hier die rechte Kulisse. Vom historischen Ingenieursstolz bei Siemens schwärmt Löscher, vom Unternehmergeist von Männern wie Werner von Siemens und Johann Georg Halske, die 1847 in Berlin die "Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske" gründeten. Nach nur drei Jahren eröffnete bereits die Firmenvertretung in London. 161 Jahre lang ging es weiter mit Siemens, nicht immer nur bergauf, aber meistens voran. 161 Jahre. Was macht da schon ein einziges Jahr? Was machen schon 365 Tage Arbeit bei 58 765 Tagen Geschichte?

Ein Jahr: So lange ist Peter Löscher nun Siemens-Chef. In diesen 365 Tagen als Vorstandschef hat er den Konzern gründlicher umgebaut als wohl jeder andere Siemens-Boss vor ihm. Doch Löscher weiß: Nur wenn er die Mitarbeiter mitnimmt, wenn der Spagat zwischen Tradition und Erneuerung gelingt, wird er sein Ziel erreichen.

Das bedeutet auch: Die wahre Bewährungsprobe für Löscher steht noch aus. Die Auswirkungen des Schmiergeldskandals hat er so gut glattgebügelt, wie es ging. Doch um den Seinen und den Aktionären zu beweisen, dass er auch die beste Richtung kennt, in die Siemens operativ zu marschieren hat - die Siemens-Aktie ist unter Löscher von 110 auf 73 Euro gefallen -, muss er erst die nächsten beiden Krisen meistern: den Stellenabbau und den Konjunkturabschwung.

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