Siemens-Vorstandsumbau
Kreuzung zweier Lebenswege

Ihre Wege haben sich öfter schon gekreuzt. Aber da war immer klar, wer Chef war und wer Junior. Jetzt nimmt die Geschichte einen überraschenden Ausgang – aber damit müssen Erfolgreiche rechnen. Heinz-Joachim Neubürger, Finanzchef von Siemens, verlässt das Unternehmen. Joe Kaeser, für einige Zeit sein Mitarbeiter, wird der Nachfolger.

MÜNCHEN. Das ist eine Zäsur und die Entscheidung einer Machtfrage. Denn zweifellos war Neubürger für Siemens-Chef Klaus Kleinfeld bis zuletzt ein Rivale im Wartestand, Kaeser aber war zweifellos immer ein Kleinfeld-Mann. Auch deshalb rückt er nun auf eine Schlüsselposition in Europas größtem Technologiekonzern.

Neubürger und Kaeser – das ist schon äußerlich eine gründliche Veränderung. Neubürger, 53, ist gelernter Investmentbanker und hat an der Elite-Uni Insead in Fontainebleau studiert. Er tritt wie ein Intellektueller auf, wirkt bescheiden. Fast alles an ihm ist Unauffälligkeit, was er kann, das muss die Bilanz beweisen. Man möchte sich lieber nicht vorstellen, wie es ist, wenn dieser Mann wirklich auf den Tisch haut.

Kaeser wirkt kantig, trägt einen kräftigen Schnauzbart, schwarz. Er stammt aus der Oberpfalz und mag das offene Wort. Laut zu werden, damit hat er keine Probleme. Bei Siemens hat er ziemlich weit unten angefangen und auch die dunklen Seiten dieses Universums kennen gelernt. Beruflich kann er nur Siemens – dafür aber in fast allen Facetten.

Ende 1999 begegnen sich die Wege dieser so unterschiedlichen Männer. Kaeser baut unter Neubürger das Performance-Controlling auf, damit auch bei Siemens überprüfbar wird, ob die Unternehmenseinheiten ihre Ziele steuern und einhalten. Das Projekt endet erfolgreich, trotz der persönlichen Unterschiede.

Neubürger, 1989 von JP Morgan zu Siemens gewechselt, hat sich als Finanzfachmann einen guten Ruf erworben, zuerst als Chef der Investor Relations, dann als Treasurer. Er ist es, der die gewaltigen Finanzreserven aktiviert und in den Dienst der Konzernentwicklung stellt. 1998 wird er als Finanzchef in den Zentralvorstand berufen.

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