Singulus-Chef Stefan Baustert
„Eine Perle übernommen“

Stefan Baustert ist äußerst flexibel. Er hat sich in seiner Karriere um den Transrapid gekümmert und beim Mobilfunker E-Plus die Kosten kontrolliert. Nun besorgt er dem Anlagenbauer Singulus ein zweites Standbein. Er steigt in den Markt für Solar-Energie ein.

FRANKFURT. „Man darf nie aufgeben.“ An diese Lebensweisheit hat sich Stefan Baustert in den vergangenen Monaten häufig erinnert. Denn das Jahr 2007 brachte für den Vorstandsvorsitzenden des Anlagenbauers Singulus eine harte Durststrecke.

Der Weltmarktführer für Maschinen zur Herstellung von CD und DVD wurde Opfer eines Streits über das System für hochauflösende Film-Scheiben. HD-DVD oder Blu-Ray? Der Kampf um diese offene Frage lähmte das Geschäft: Die großen Filmstudios und mit ihnen die DVD-Produzenten warteten ab, wer das Rennen machen würde, und bestellten einfach keine neuen Maschinen. Das hatte Folgen: Der Umsatz von Singulus sank von 283 Millionen auf 230 Millionen Euro. Baustert kommentierte ironisch: „Das Geschäft läuft nicht gerade überschäumend.“

Nun aber hat Blue-Ray aus dem Hause Sony gesiegt, Konkurrent Toshiba hat sein System zurückgezogen. Der hochgewachsene, schlanke Baustert wirkt am Freitag gelöst bei der Präsentation der Bilanz für 2007 im großen, leeren Auditorium der Commerzbank in Frankfurt: Die Aufträge für neue DVD-Maschinen können kommen.

„Ich habe immer an Blu-Ray geglaubt“, sagt der Saarländer mit der dezenten Brille und macht in Optimismus. Marktbeobachter wie Jim Bottoms vom britischen Marktforschungsinstitut Understanding & Solutions sind sich einig, dass die dritte Generation der DVD eine große Zukunft hat: Allein ihr Speichervolumen von 50 Gigabit, dem Zehnfachen der herkömmlichen DVD, sei in der Lage, ganze Filme im hochauflösenden Fernsehformat High Definition zu speichern.

Doch Baustert traut sich noch nicht, eine Prognose für das Jahr 2008 abzugeben. Im vergangenen Jahr hat Singulus aus Kahl am Main bei Aschaffenburg nur fünf Bestellungen für Maschinen zur Herstellung von DVD im Blu-Ray-Format bekommen: „Wir verhandeln mit vielen Kunden und stehen unmittelbar vor Abschlüssen.“ Denn eines ist sicher: Die Bestellungen müssen bald kommen, sollen Blu-Ray-DVD und die dazugehörigen Abspielgeräte ein Thema im Weihnachtsgeschäft werden. „Wir werden deutlich über 20 Aufträge haben“, ringt sich Baustert in Frankfurt schließlich zu einer Prognose durch.

Die Abhängigkeit von der CD und DVD hat der ehemalige E-Plus-Mann, der seit Oktober 2006 an der Spitze von Singulus steht, seit langem als Problem erkannt: „Wir brauchten eine Alternative zur Blu-Ray-Technologie, falls diese doch nicht kommt.“ Doch bisherige Diversifikationsversuche wie Anlagen für die Beschichtung von Brillen oder Handyschalen haben keine nennenswerten Fortschritte gebracht. „Diese Aktivitäten waren stets von der Technologie und nicht vom Markt getrieben“, erklärt sich dies der Singulus-Chef.

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