Skandalserie erschüttert Konzern
Jähes Ende einer Siemens-Karriere

Johannes Feldmayer kletterte die Karriereleiter bei Siemens fast 30 Jahre lang steil nach oben. Doch nun hat die Skandalserie des Elektrokonzerns auch den Topmanager erwischt und zu seinem spektakulären Absturz geführt.

HB MÜNCHEN. Der Konzern entband den am Dienstag verhafteten Top-Manager am Mittwoch von seinen Aufgaben. Der 50-Jährige stolperte über dubiose Millionenzahlungen, mit denen sich Siemens das Wohlwollen von Betriebsräten gesichert haben soll. Untreue lautet der Vorwurf der Nürnberger Staatsanwaltschaft, die Feldmayer bei einer Razzia verhaften ließ. Weil offenbar Flucht- oder Verdunklungsgefahr besteht, bleibt der Beschuldigte bis auf Weiteres hinter Gittern.

Aus der Nürnberger Zelle bat Feldmayer den Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, ihn von seinen Dienstpflichten als Mitglied des Zentralvorstands und als Europa-Chef freizustellen. „Diesem Wunsch ist entsprochen worden“, teilte der Konzern lapidar mit. Die Bemühungen des Anwalts, Feldmayer aus der Untersuchungshaft frei zu bekommen, liefen dagegen vorerst ins Leere. „Er kann morgen wieder draußen sein, oder er kann noch lange drin bleiben“, sagte Rechtsanwalt Martin Reymann-Brauer der Nachrichtenagentur Reuters. Er wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten erneut zurück und fügte hinzu: „Er ist ein ordentlicher Typ.“

Mit Feldmayer kam erstmals ein aktives Mitglied des Top-Managements von Deutschlands größtem Elektronikkonzern in Untersuchungshaft. Die Affäre um die „Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Betriebsangehöriger“ (AUB) reicht damit bis in den innersten Führungszirkel, in den sich der als besonnen und verlässlich geltende Analytiker in den vergangenen Jahren zielstrebig vorgearbeitet hatte.

Feldmayer, am 16. Oktober 1956 in Augsburg geboren, absolvierte nach dem Abitur eine kaufmännische Stammhauslehre bei Siemens. Anschließend besuchte er die französische Management-Eliteschule Insead in Fontainebleau. Ab 1979 arbeitete er bei Siemens als Wirtschaftsplaner. Über Stationen in Johannesburg und Alpharetta/USA stieg er zum Abteilungsleiter im Rechnungswesen der Sparte Automatisierungstechnik auf, wo er 1999 in den Bereichsvorstand einzog.

In dieser Position soll Feldmayer Beraterverträge mit dem inzwischen zurückgetretenen AUB-Chef Wilhelm Schelsky unterzeichnet haben. Mehr als 14,75 Mill. Euro sollen geflossen sein, in Medienberichten war sogar von fast 34 Mill. Euro die Rede. Als Schelsky Mitte Februar verhaftet wurde, geriet auch Feldmayer ins Visier der Ermittler.

Der zurückhaltende Manager mit dem grau-melierten Schnauzer war bisher im Siemens-Vorstand für Informationstechnologie und Immobilien zuständig, zudem fungierte er als Europa-Chef des Konzerns. Ehe er 2003 in den Zentralvorstand aufrückte, war er knapp zwei Jahre lang Chefstratege von Siemens. Zeitweise galt der beliebte Manager, der seit Herbst Honorarprofessor an der TU Berlin ist, als Kronprinz für die Pierer-Nachfolge.

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