Sorgen um den Ruf
Der gute Name ist stark gefährdet

Der ehemalige Finanzminister von Österreich, Karl-Heinz Grasser, versucht sich als Geschäftsmann. Bisher hat er allerdings wenig Glück: Die Aktie seines Unternehmens stürzt ab und die ersten Aktionäre stellen unangenehme Fragen.

HB WIEN. Österreichs ehemaliger Finanzminister Karl-Heinz Grasser, kurz KHG genannt, hatte sich während seiner politisch aktiven Zeit nebenbei erfolgreich darum gekümmert, der eher tristen österreichischen Politik einen Glamourfaktor zu verleihen. Nach seinem Rückzug aus dem politischen Geschäft beschränkte sich der Ehemann der Swarowski-Erbin Fiona eine Zeit lang vor allem auf diesen Ansatz, um sich dann im Juli als Wirtschaftsfachmann internationalen Anlegern zu präsentieren, die sich für ein Unternehmen namens Meinl International Power interessieren sollten.

Seit das Unternehmen allerdings an die Börse kam, geht es mit der Aktie bergab. Inzwischen so sehr, dass Grasser sich um seinen Ruf als Erfolgsgarant ernsthafte Sorgen machen muss. 7,70 Euro lautet der letzte Kurs. „Eine irrationale Übertreibung“, nennt Grasser das, was da passiert.

Vielleicht nicht ganz. Schon der Börsengang des Unternehmens, das Beteiligungen an Energiefirmen in Ost- und Südosteuropa anstrebt, enthielt Merkwürdigkeiten. Es gab keine Bewertung der Firma durch eine internationale Investmentbank, weil die Energie-Beteiligungsgesellschaft aus dem Verbund der österreichischen Meinl Bank damals offiziell erst seit einem Monat existierte. Konsortialbank war nur die Meinl Bank. Ebenfalls ungewöhnlich: der Festpreis von zehn Euro. Normalerweise steht hier eine Preisspanne. „Die Nachfrage bei Anlegern in Zürich, London und Madrid war so groß, dass es eine Spanne nicht braucht“, gab sich Grasser damals gelassen. Angeblich stört es die Anleger auch nicht, dass die Aktie nur im sogenannten dritten Markt der Wiener Börse gehandelt wird. Die Regularien sind dort – ähnlich wie im deutschen Open Market – gering. Nur einmal am Tag wird ein Kurs erstellt.

Seither hat das Unternehmen nicht eine neue Beteiligung gewonnen, und die Aktionäre fragen sich, was Grasser und Co. den lieben langen Tag im Aufsichtsrat so treiben. „Wir bekommen täglich zehn neue Projekte auf den Tisch“, sagt Grasser dazu im österreichischen „Kurier“ in einem Interview. „Sie lenken vom Börsensturz ab, Herr Grasser“, entgegneten die Journalisten.

Dass auch andere Meinl-Unternehmungen nicht gerade florieren, macht das Leid der MIP-Aktionäre zwar zu einem geteilten, aber es lindert nicht den Frust. Ob der Name Grasser wie der Name Meinl gelitten hat? „Weder noch“, sagt Grasser, „beide Namen stehen für nachhaltigen Erfolg. Die nehmen nicht so schnell Schaden.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%