Soziale Einrichtungen
Behindertenwerkstätte machen Milliarden-Umsatz

Unternehmen aus allen Branchen nutzten Heilpädagogische Zentren als verlängerte Werkbank. Die Werkstätten entwickeln sich immer mehr zu Dienstleistern der Wirtschaft - und machen einen Milliarden-Umsatz.
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Nettetal-BreyellDer große Mann im grünen Kittel wischt die Metallbox sorgfältig aus. Er breitet ein Filztuch aus und legt es hinein. Dann reicht er die Box an die Kolleginnen im Sterilraum des Krankenhauses Nettetal in Lobberich am Niederrhein weiter. Er ist behindert. Ebenso wie seine Kollegen des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) Krefeld, die in der eigenen Schreinerei Holzfüße für einen edlen Bettenhersteller drechseln. Oder die Kollegen, die Plastikhelme für amerikanische Lackierer montieren oder Gutscheinkarten für Saturn verpacken.

Immer mehr Firmen von Daimler über Großbanken bis zu Einzelhandelsfilialisten nutzen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen als verlängerte Werkbank oder als Dienstleister. Damit tun sie Gutes, sparen Geld und können viele Sonderarbeiten in Deutschland erledigen, die sie sonst ins Ausland verlagern müssten.

„Alle 2500 Werkstätten für Menschen mit Behinderungen kommen in Deutschland auf einen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro“, schätzt Olaf Stapel, Vorstand der Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen.

„Die haben für uns schon oft die Kohlen aus dem Feuer geholt“, sagt Stefan Harms, Geschäftsführer des Traubenzuckerherstellers Dextro Energy International in Krefeld. Mit „die“ meint er die Mitarbeiter des HPZ Krefeld. Dort arbeiten 2000 Männer und Frauen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen. Harms schätzt deren Flexibilität. Es gibt immer mehr Sonderaktionen im Handel, bei denen die Krefelder Firma etwa verschiedene Traubenzuckersorten bündeln muss.

„Es ist zu aufwendig, dafür extra die Verpackungsmaschinen umzurüsten“, sagt Harms. Stattdessen vergibt er solche Aufträge ans HPZ „als verlängerte Werkbank“. Für Dextro Energy und andere Kunden wie die Elektronikketten Saturn und Mediamarkt, die elektronische Gutscheinkarten über das HPZ versenden, hat die Kooperation für Menschen mit Behinderungen auch wirtschaftliche Vorteile.

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Werkstätten werden zu Dienstleistern der Wirtschaft

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  • Wenn die Kooperation zwischen Wirtschaft und Behindertenwerkstätten so toll ist, in wie weit profitieren die Mitarbeiter der Werkstätten? Die Löhne dort sind dort nicht gerade dafür bekannt, dass man allein davon leben könnte??

  • Inwiefern profitieren die genannten Kunden, vom niedrigen Mehrwertsteuersatz der Behindertenwerkstätten? Unternehmen, für die die Ausgleichsabgabe ein Thema ist dürften uneingeschränkt vorsteuerabzugsberechtigt sein.

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