Staatsfond-Chef Jiwei
Hüter des verborgenen Schatzes

Lou Jiwei leitet den mächtigen chinesischen Staatsfonds CIC. Der könnte schon bald auf eine Billion Dollar anwachsen - und damit eine Menge Ängste wecken. Dabei hat der Chef bislang nicht die Welt aufgekauft, sondern eine ganze Menge Geld verbrannt.

PEKING. Es war ein regnerischer Märztag, als sich der schwarze Audi seinen Weg durch die Dörfer in der chinesischen Provinz Guizhou bahnte. Nur langsam kam die Limousine zwischen Pferdekarren und Kleinlastwagen voran, bis endlich das Werkstor der Chemiefabrik „Roter Stern“ erreicht war. Auf dem aufgeweichten Werksgelände warteten im Dauerniesel die Manager der einstigen Rüstungsfabrik, denn immerhin hatte sich der Vize-Gouverneur der Provinz angesagt. Sein Name: Lou Jiwei.

Rote Banner, Begrüßungsreden und Trinksprüche waren vorbereitet. Doch Parteimann Lou verblüffte die alten Werkskader schon beim Händeschütteln. Er steuerte schnurstracks in die Fabrikhallen und ließ sich genauestens über Produktionsprozesse und Zulieferpreise informieren. In Peking zähle die große Politik, erklärte Lou den Fabrikmanagern zum Abschied. In der Provinz aber zähle jede Kleinigkeit. „Hier muss man jedem Detail Aufmerksamkeit schenken.“

Das war vor zehn Jahren, im Frühjahr 1998. Inzwischen ist Lou Jiwei längst nicht mehr in der Provinz unterwegs, sondern wieder zurück in Peking. Und heute spielt Lou gerne Golf, reist nach London und New York und mischt in der ganz großen Politik mit. Seit gut einem Jahr ist der 57-Jährige einer der mächtigsten Männer der internationalen Finanzszene: Der Chinese verwaltet einen wesentlichen Teil des chinesischen Staatsvermögens.

Der von Peking geschaffene Staatsfonds China Investment Corp (CIC) ist ein Finanz-Riese, und Lou ist Chinas Milliarden-Dollar-Mann. Bereits zum Start wurde der Staatsfonds mit einem Vermögen von 200 Mrd. Dollar ausgestattet. 2011 dürfte der Fonds schon mit einer Billion Dollar ausgestattet sein. Damit wird Lou Jiwei und sein Fonds zum größten Investor der Welt aufsteigen. Bislang verwaltet die Abu Dhabi Investment Authority 875 Mrd. Dollar. Doch die Kriegskasse von Lou löst im Westen besonders viele Ängste aus, denn dem Staatsfonds aus Peking werden politische Motive unterstellt. Die CIC, die für 90 Mrd. Dollar im Ausland einkaufen soll, untersteht direkt der chinesischen Regierung.

Fondsverwalter Lou lässt auch keinen Zweifel daran, dass er in Zukunft kräftig mitmischen will. „Wenn wir einen fetten Hasen sehen, dann werden wir ihn erlegen“, ließ er nach seiner Berufung die Welt wissen. Nach der Subprime-Krise sehe er im Zuge der Turbulenzen am weltweiten Finanzmarkt „noch nie da gewesene“ Chancen. Spektakulär waren bislang die Beteiligungen beim US-Finanzinvestor Blackstone und an der Investmentbank Morgan Stanley.

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