Stahlbranche
Der größte Verlierer Lakshmi Mittal

Die Finanzkrise hat Stahlbaron Lakshmi Mittal mehr als 30 Milliarden Euro gekostet. Aber den noch immer viertreichsten Menschen der Welt bringt so etwas kaum aus der Ruhe.

LONDON. Am 8. September ist für Lakshmi Mittal die Welt noch in Ordnung. In Singapur überreicht ihm US-Verleger Steve Forbes den Malcolm-Forbes-Preis für seine Lebensleistung als Unternehmer, eine goldgerahmte Titelseite des gleichnamigen Magazins, das ihn für 2007 als viertreichsten Menschen der Welt in seiner Liste führte. Der indische Tycoon mit Hauptwohnsitz London scheint auf dem Gipfel seines Erfolgs angekommen zu sein: Er hat von null an in drei Jahrzehnten den mit Abstand größten Stahlkonzern der Welt aufgebaut und expandiert nun in raschem Tempo ins Rohstoffgeschäft.

Sieben Wochen später hat der spektakuläre Absturz der Weltbörsen Mittal einen neuen Titel verpasst: Er ist – nach öffentlich verfügbaren Daten – der größte Verlierer der Finanzkrise, die mit faulen Immobilienkrediten in den USA begann und mittlerweile Banken und Unternehmen weltweit riesige Verluste beschert. Mittal ist ihr größter Verlierer, jedenfalls in absoluten Zahlen: Sage und schreibe 31,6 Milliarden Euro hat allein die Familienbeteiligung am Luxemburger Stahlriesen Arcelor Mittal seit ihrem Jahreshoch an Wert verloren. Mittal hält gut 43 Prozent an dem Konzern, und die Aktie ist schon um drei Viertel eingebrochen.

Auch Nebenaktivitäten des Stahl-Tycoons im Rohstoff- und Ölgeschäft dürften deutlich gelitten haben. Schließlich ist die Branche mit am härtesten von dem Kursverfall der letzten Wochen betroffen. Vor eineinhalb Jahren hat er außerdem angekündigt, mehr als 200 Millionen Dollar in Fondsanteile und eine direkte Beteiligung an der börsennotierten Hedge-Fonds-Gesellschaft RAB zu stecken. Sie hat sogar noch stärker als Arcelor Mittal an Wert verloren. Auch Mittals Immobilienbesitz in diversen Londoner Milliardärsstraßen wird einstweilen nicht mehr zum Einstandspreis zu verkaufen sein.

Alles in allem dürfte das Lakshmi Mittal allerdings wenig ausmachen. Forbes führt ihn in der jüngsten Liste mit umgerechnet 36 Milliarden Euro noch immer hinter Warren Buffett, Carlos Slim Helu und Bill Gates auf Rang vier. Die britische Reichen-Liste der „Sunday Times“ für 2007 führte er souverän mit umgerechnet 35 Milliarden Euro an. Zwar haben seine Arcelor-Mittal-Aktien mittlerweile dramatisch an Wert verloren, allerdings waren sie noch vor der Krise ordentlich gestiegen. Mittal dürfte deshalb noch immer ein zweistelliges Milliardenvermögen aufweisen.

Schlaflose Nächte wird dem Stahl-Tycoon sein Rekordverlust also kaum bereiten. Schließlich sagte er einmal, dass ihm 1980 die erste Million auf dem Konto, Frucht seines ersten Stahlwerks in Indonesien, die größte Freude bereitet habe. Seither sei Reichtum für ihn normal geworden.

Seite 1:

Der größte Verlierer Lakshmi Mittal

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%