Tchibo-Mitbegründerin
Ingeburg Herz ist tot

Die großen Unternehmer der Nachkriegszeit sind fast ausnahmslos bereits tot. Ingeburg Herz gehörte zu den letzten, die in den Aufbaujahren der Republik bei den Pionieren dabei war – als Ehefrau.

HamburgDas Oberhaupt der Hamburger Milliardärsfamilie Herz ist tot. Ingeburg Herz, die Witwe des Tchibo-Gründers Max Herz, starb bereits am vergangenen Mittwoch im Alter von 95 Jahren in Hamburg, wie die Familienholding MaxIngvest am Dienstag in Hamburg mitteilte. Sie hat ihren Mann um mehr als fünf Jahrzehnte überlebt.

Ingeburg und Max Herz hatten 1939 im Krieg geheiratet und fünf Kinder bekommen. Nach dem frühen Tod des Tchibo-Gründers 1965 fiel das gesamte Vermögen der Ehefrau und den Kindern zu. Tchibo war in den 60er-Jahren bereits eine bekannte Kaffeemarke, jedoch nicht mit dem heutigen Milliardenkonzern vergleichbar. Der Umsatz betrug rund 50 Millionen DM.

Am Aufbau der Firma hatte Ingeburg Herz einen wichtigen Anteil. „Die Kaffeepäckchen flogen nur so über den Tresen; wir machten alles im Laufschritt, holten neue Ware aus der Rösterei. Natürlich habe ich da mit gearbeitet, zehn Stunden am Tag und mehr“, erinnerte sie sich später an die Zeiten des Fabrikverkaufs gleich neben der Rösterei in der Hamburger Hoheluftchaussee. In den 50er-Jahren chauffierte sie ihren Mann auf der Suche nach geeigneten Filialstandorten im Auto quer durch Deutschland.

Max Herz hatte ein unklares Testament hinterlassen, nach dem „zwei meiner tüchtigsten Jungs“ das Unternehmen führen sollten. Die vier Söhne konnten sich nie einigen, auf wen das am meisten zutraf. Der älteste Sohn Günter führte Tchibo mehr als 35 Jahre lang und formte daraus einen Weltkonzern, gemeinsam mit dem drittältesten Michael. Dann wurde Günter gegen seinen Willen von seinen Brüdern aus dem Unternehmen gedrängt und gemeinsam mit seiner Schwester Daniela ausgezahlt.

Mutter Ingeburg soll unglücklich gewesen sein über den Familienzwist. Zeitweise sprach jedoch auch sie mit einigen ihrer Kinder kein Wort, zum Beispiel mit Joachim, der bei einem Unfall 2008 in den USA ums Leben kam. So war es jedenfalls zu hören; der Wahrheitsgehalt von Gerüchten über das Hause Herz ist kaum zu überprüfen. Bei ihrem Tod waren die vier noch lebenden Kinder jedenfalls dabei.

Die gesamte Familie teilt eine Leidenschaft für Pferde und den Trabrennsport; auch Ingeburg Herz war gelegentlich auf der Rennbahn und auch bei Springturnieren zu sehen. Das Unternehmen lag ihr bis ins hohe Alter am Herzen; noch im vergangenen Dezember nahm sie an der Weihnachtsfeier der Tchibo-Pensionäre teil.

Mit ihrer Max und Ingeburg Herz Stiftung, die vorrangig Einrichtungen für die medizinische Behandlung und Betreuung älterer Menschen unterstützt, gehörte sie zum Kreis der Hamburger Stifter. Der Stiftung sowie Ingeburg Herz gehören 27,5 Prozent an der MaxIngvest Holding, der wiederum Tchibo und die Mehrheit an Beiersdorf gehört. Damit war Ingeburg Herz eine der reichsten Frauen in Deutschland. Die Beisetzung ist im engsten Familienkreis vorgesehen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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