Terry von Bibra ist neuer Deutschland-Chef des Internetportals
Der Freiherr von Yahoo

"Selbstbezogen, aber nicht selbstsüchtig, markenorientiert und ständig unter Zeitdruck" - so zumindest charakterisiert der Portalbetreiber Yahoo junge europäische Internetnutzer. Und der neue Deutschland-Chef des Unternehmens, Terry von Bibra, fühlt sich selbstverständlich offiziell dieser „I-Generation“ zugehörig.

HB MÜNCHEN. Dabei erinnert er mit kariertem Hemd und Wollpullover unterm Jackett, wie er zum Gespräch erscheint, eher an einen britischen Großgrundbesitzer denn an einen smart-dynamischen Internetnutzer. Mit der von seinem Arbeitgeber geschaffenen „I-Generation“ hat der 41-jährige Spross einer fränkischen Adelsfamilie in der Praxis denn auch nur wenig gemeinsam.

Alle Funktionen der neuesten Pocket PCs und Smartphones probiert er kaum je aus. Dafür fehle ihm die Zeit, sagt er. Er will vielmehr seine Kunden verstehen und in der schnelllebigen Online-Welt für sie neue, attraktive Produkte schaffen.

Seit drei Monaten arbeitet von Bibra für Yahoo. Er kommt von der deutschen Tochter des Online-Buchhändlers Amazon, hat dort mit Erfolg das Partnerprogramm in Deutschland und Europa aufgebaut. Inzwischen verlinken weltweit einige Hunderttausend Unternehmen ihre Seiten mit der Amazon-Internetpräsenz.

Bei Yahoo weht ein schärferer Wind als beim E-Commerce-König Amazon. Mit dem Suchmaschinenbetreiber Google und der Microsoft-Tochter MSN ringt der Konzern derzeit um den ersten Platz im lukrativen Markt für Online-Werbung. Fast im Wochenrhythmus stellen die Konkurrenten neue Produkte und Dienste ins Netz. Bibra hält jetzt mit der lokalen Suche in Deutschland dagegen. Nutzer der Seite können ihren Standort in ein separates Suchfeld eintragen und so die Ergebnisliste verfeinern.

Viel Stehvermögen braucht Terry von Bibra für seinen Job. Alte Arbeitskollegen bescheinigen es ihm.

„Er ist ein exzellenter Verhandlungsführer – freundlich, aber sehr bestimmt“, sagt Gesine Haag. Die damalige Amazon-Marketingchefin hatte von Bibra Ende der neunziger Jahre eingestellt. Sie habe ihn anderen Kandidaten vorgezogen, weil er eine „gestandene Persönlichkeit“ gewesen sei, erinnert sie sich: „Er strahlte nicht diese Lässigkeit des Online-Geschäfts aus, aber er hatte genaue Vorstellungen davon, wie sich das Unternehmen weiterentwickeln könnte.“ Auch sein eher ungewöhnlicher Lebenslauf gefiel der heutigen Deutschland-Geschäftsführerin des Partnersuchdienstes Match.com.

Denn der gebürtige Amerikaner studierte erst einmal Germanistik sowie Werbefotografie und gründete ein eigenes Fotostudio in München, bevor er über einen MBA bei Amazon in die Internetwelt einstieg: „Ein Werbefotograf arbeitet ganz am Ende der Marketing-Wertschöpfungskette – das ist viel weniger kreativ als der Job, den ich jetzt mache“, begründet von Bibra den Wechsel.

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