Thomas Bauer
Der Tiefenwurzeler

Thomas Bauer hat Ratschläge von Bankern missachtet, Krisen gemeistert – und nun ist sein Bau- und Maschinenbaukonzern ein Börsenstar.

SCHROBENHAUSEN. Der Hausherr entschuldigt den Lärm galant. „Baustellen sind nun einmal unsere beste Werbung“, sagt Thomas Bauer und blickt aus seinem Büro auf die neue Firmenzentrale, die gleich gegenüber entsteht. Schwül drückt der bayerische Sommer in das Zimmer, und Bauer spricht über seine Pläne für die kommenden Monate. „Wir werden jeden Fertigungsstandort in seiner Kapazität verdoppeln“, sagt der Mann, der so gar nicht in das hemdsärmlige Baugeschäft zu passen scheint.

Der Honorarprofessor an der TU München führt ein einzigartiges Konglomerat. Es ist Baukonzern und Maschinenbauhersteller in einem. Spezialtiefbau heißt die Disziplin, in dem die Schrobenhausener weltweit wirken. Mit Bauer-Technik wurden die Fundamente der tibetischen Eisenbahn in den Boden gerammt, werden die Tunnelröhren durch das Gotthardmassiv gefräst, oder die Fundamente für Wolkenkratzer von New York bis Abu Dhabi gegossen. „Vor fünf Jahren haben Analysten unser Modell nicht verstanden“, sagt Bauer. Jetzt, ein Jahr nach der Erstnotiz, ist Bauer ein Börsenstar.

Seit Jahren wächst das Unternehmen zweistellig. Schafft Bauer in diesem Jahr seine Ziele, dann wird die Konzernleistung mit 1,2 Milliarden Euro knapp doppelt so hoch sein, wie vor drei Jahren. So viel macht Deutschlands größter Baukonzern Hochtief zwar in einem Monat. Doch die Schrobenhausener haben ihr Geschäft genauso stark globalisiert wie die Essener.

Und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht: „Wenn die Welt mit fünf Prozent wächst, dann muss der Aufbau der Infrastruktur schneller wachsen. Das sind goldene Zeiten für den Tiefbau“, sagt der Mann mit den ruhigen, braunen Augen. Dabei hat er schon ganz andere Zeiten gesehen.

Thomas Bauer hat das 1790 gegründete Unternehmen in der siebten Generation übernommen. „Schon mit 16 wusste ich, dass ich in die Firma eintreten wollte“, sagt der 52-Jährige heute. Er studiert Betriebswirtschaft in München, ein Jahr arbeitet der Junior in Amerika beim Branchenriesen J.A. Jones. Vorzeitig ruft ihn der Vater 1982 zurück in die oberbayerische Provinz. Es kriselt.

Denn die schönen Aufbauzeiten in der Bundesrepublik sind vorbei. Vater Bauer hat vom Aufbau der deutschen Infrastruktur gut gelebt, von U-Bahnen, Tunnel und Tiefgaragen. Doch die großen Baukonzerne drehen in den Achtzigern den Spieß um: Holzmann und Hochtief gründen ihre eigenen Tiefbauunternehmen und ruinieren die Preise. Auch der erste Ölboom, der Bauer „auf dem Rücken der großen Baukonzerne“ in den Nahen Osten führte, endet abrupt. Mit 31 wird Thomas Bauer Geschäftsführer und sitzt tief in der Klemme.

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